Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 3 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 91 — baren Verstösse gegen die wissenschaftliche Unparteilichkeit müssen dem an sich so löblichen Unternehmen in weiten Kreisen Abbruch tun. Wir können dem opferwilligen Verlage nicht warm genug empfehlen, diesem Uebelstande in Zukunft nach Kräften vorzubeugen. G. F. Falk, Die Bibel am Ausgange des Mittelalters. Köln 1905, J. P. Bachem, Mk. l.hO. Eine fleissige Arbeit über ein hochinteressantes Thema. Sie handelt vom „Lehrgang an der Hochschule", dem „Bibelkorrektorium der Augustiner zu Windesheim", der „Ars memorandi", der Hochschätzung des Bibelstudiums im Urteil der Zeitgenossen, den 1450—1520 erschienenen Bibeldrucken, dem „Psalter als Lernbuch der Kinder", den „Bibelillustrationen'1 u. a. m. Die unverhohlen apologetische Tendenz, bei einer Görresschrift naturgemäss, stört nicht sowohl in dem, was der Verf. sagt, als in dem, was er uns vorenthält. Das ist die Bibliomantie, der Gebrauch der Bibel zu abergläubischen Zwecken, die kirchlichen Exorzismen usw., worüber ausführlich in unseren „Mitteilungen", Heft 10 gehandelt wird. Vielleicht liegt hier keine Absicht, sondern nur Uebersehen vor. Ein Nachholen des Versäumten würde die Volkskunde mit Freuden begrüssen. G. E. N. Adlor, Ab out Hebrew Manuscripts. Lohdon 1905. Henry Frow.de. Der als Sammler hebräischer Manuskripte rühmlichst bekannte Verfasser hat in diesem Bande zu Moritz Steinschneiders 90. Geburtstage einige in englisch-jüdischen Zeitschriften bereits veröffentlichte Aufsätze gesammelt herausgegeben, so 1) sein Genizamanuscript des Siraciden, 2) Karaitica, B) An ancient bookseller's catalogue, 4) Prof. Blau on the Bible as a book, 5> A letter of Menasseh ben Israel, 6) Jewish literature and the diaspora, 7) The humours of hebrew MSS, 8) The Komance of hebrew printing. Den Schluss bildet Prof. Bacher's Studie „Zur jüdisch-persischen Litteratur " Für die jüdische Volkskunde von Belang sind die einleitenden Daten über die Karaer, besonders als Händler und Seefahrer (S. 20), das MS Pithron chalomoth von Hai Gaon (24), das Sefer goraloth (26). der karaitische Get a d. J. 1030 (29), das Kulturgeschichtliche (88) u v. a. Der Bibliograph wird das Buch nicht entbehren können. Aber auch dem Laien bieten einige vortreffliche, populär gehaltene Vorträge darin mannigfache Anregung G. Biographie des R. Jcdaja Peiiiuri . . Wetter prophezeihungen nach einer alten Handschrift d. a. 142r», L. Schwager, Husiatyn 1905. Enthält als Anhang zu der bereits im 5. Band der „Kok'be Jits'chak" erschienenen und hier neugedruckten Biographie Jed. Pen.'s ein Kapitel Bauern - kalender mit dem tröstlichen Schlusswort: „Vor den Zeichen des Himmels zaget nicht!" (Jer. 10, 2). G. Vassel, E., La litterature populaire des israelites ttfnisiens. Paris, E. Leroux 1905/6. Der Verf., früher Vorsitzender des Institut de Carthage, macht uns hier mit einer für weitere Kreise bisher apokryphen Literatur in jüdischarabischer Mundart bekannt. Er hat etwa 40 Nummern, Lieder, Erzählungen, Zeitungen usw., gesammelt, die für den Philologen wie für den Ethnographen nicht ohne Interesse sind, zumal es an sonstigen Literaturdenkmälern in einem arabischen Dialekt fast völlig mangelt. Einer gründlichen Einleitung, die uns einen geschichtlichen Ueberblick über die Vergangenheit der tunesischen Juden bietet, folgt die Beschreibung der nicht weiter, als 40 Jahre, zurückreichenden Literatur nebst geschickt gewählten Proben, auch einigen Illustrationen. In der ersten dieser Nummern, dem Ma'ase scha'aschu'im von Elijahu Hai* Guedj begegnen wir der Geschichte Sindbads, des Seefahrers, und der des „Frommen am Pesachabend." Für die Volkskunde von Belang sind auch die Bemerkungen über die verschiedenen populären Bezeichnungen der Mazza (p. 95) sowie vor allem die Abhandlung über den Aberglauben der tunisischen