Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 3 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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— 89 — die Geschlechter i. J. 1301, nachdem sie iro Kampfe obgesiegt, zehn Alderniänner der Zünfte auf offenem Markte. In Strassburg erhoben sich die Zünfte zum ersten Mal 1308, aufgereizt durch den beispiellosen Üebermut, die Gewalttat und Niedertracht der herrschenden Partei. In Köln Hessen die Geschlechter 1371 33 Weber hinrichten." So begreifen wir leichter, was dort in jenen Tagen unter dem Vorwand des schwarzen Todes den Juden widerfahren ist. Sie waren von den Zünften ausgeschlosesen, während es in „Paris im 13. und 14. Jahrhundert sogar Zünfte gab, die ausschliesslich aus Frauenzimmern bestanden." In Deutschland hatte „der Aufzunehmende nach dem Handwerksrecht des 10. Jahrhunderts eine Art Ahnenprobe abzulegen, er hatte den Nachweis zu erbringen, dass seine Eltern und späterhin auch seine Grosseltern in einem ehelichen Bett gezeugt worden waren." Der Talmud stellt hingegen den tüchtigen Bastard selbst über den untüchtigen Hohenpriester (Hör. 13 b u. s.). „Bei den Verrufserklärungen verstieg man sich einfach ins Unglaubliche. Rot- und Weissgerber wurden verachtet, wenn sie Hundshäute verarbeiteten. Wenn ein Handwerker einen Hund oder eine Katze totschlug oder ein Aas anrührte, so galt er für unehrlich." Der Talmud lehrt: Und gelte es selbst, ein Aas zu häuten, so sage nicht: „Ich bin ein Priester," für diese Arbeit zu vornehm. (Pesach 113. B. batr. 110 a u. s.). „Nach einer Bestimmung des westfälischen Friedens sollte der Lehrling auch einem der anerkannten Glaubensbekenntnisse, dem katholischen oder evangelischen, angehören. Durch dieses Gesetz wurde das alte Herkommen, die Juden vom Handwerk auszuschliessen, sanktioniert. Die Juden werden allerdings ebensowenig wie die fahrenden Leute einen besonderen Zug zum Handwerk in sich verspürt haben, und wo man es versuchte, ihnen einmal die Schranken zu öffnen, hatte man damit wohl kaum einen nennenswerten Erfolg. In Nürnberg suchte sie der Rat 1490 dem Handwerk zuzuführen, indem er ihnen verbot, in Zukunft noch Gold, Silber oder Karat — geschmolzenes, gehörntes Metall — zu scheiden, und denen, die sich des Wuchers abtun und ihn meiden wollten, erlaubte, ein Handwerk zu lernen und zu üben, . . . doch also, dass sie das, was sie . . machen würden, in Nürnberg verkaufen sollten. ... In den Städten wie auf dem Lande haben die Juden wohl nur ein Handwerk betrieben, das Metzgerhandwerk, und auch dieses in der Regel nur im Interesse ihrer Glaubensgenossen." Man traut seinen Augen nicht. Ein „wissenschaftliches" Buch arbeitet mit „wohl" und ,,kaumu, mit „werden verspürt haben"! Und dabei hätte ein Blick in „The Jewish Encycl." s. v. Artisans, Handicrafts, Labor, Prague u. a. genügt, um gerade das Gegenteil zu erfahren, dass der Jude — der Leibzolljude! —, wo es nur irgend anging, sich zum Handwerk, das er ja heute in einzelnen Gegenden (a. a. O.) ausschliesslich beherrscht, geradezu gedrängt hat (s. bes. Prag und Kopenhagen). E. 'Reiche, Der Lehrer Prague u. a. 1901. Ein objektiv und fesselnd geschriebenes Buch. Wir hören: „Untersagte doch sogar Theodorich seinen Goten den Besuch der Schulen, damit ihnen nicht die „Riemen der Schulmeister die Tapferkeit herausschlügen. Und Theodorich war ein erleuchteter Monarch." „Karl der Grosse hatte nicht einmal schreiben gelernt." „Kurz vor seinem Tode (1407) klagte der Landgraf Wilhelm I. von Hessen, dass er nie in eine Schule gegangen und weder lesen noch schreiben könne." „Friedrich der Grosse besorgte, wenn die Leute auf dem Lande in der Schule zu klug würden, so würden sie in die Städte laufen." „Dazwischen ertönt aber schon aus verhältnismässig früher Zeit die Klage eines zum Kirchendienst kommandierten Schulmeisters." „Die Franzosen, die früher als Schüler nach Deutsehland gekommen waren, wurden seit dem 11. Jahrhundert von deutschen und anderen Schülern als Lehrer aufgesucht." Aehnliches gilt von den damaligen jüdischen Bildungsverhältnissen. Die Freuden und Laster der fahrenden Schüler werden anschaulich geschildert. Wir lesen „von Nürnbergern, die 1497 nach Ingolstadt zu