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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1907-01-01 · 3 (1907) · p. Seite 88

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
Issue
3 (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 88 (sequence 26)
Language
German
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— 88 - Auf der Eeise von Wien nach Russland hatte ich Zeit genug, meine Eindrücke zu ordnen. Ganz enttäuscht und niedergeschmettert, — das war das Resultat. Vergleicht man das, was die Juden auf dem Gebiete ihrer Volkskunde getan, mit demjenigen, Avas auf entsprechendem Gebiete die Magyaren oder etwa die Böhmen geleistet haben, so überkommt einen eine tiefe Schamröte, und unwillkürlich steigen in der Erinnerung alle die unliebsamen Krebsschäden auf, die am jüdischen Organismus seit Jahrhunderten nagen und die zu rügen nicht hier der Ort ist. Es ist doch die höchste Zeit, dass die Juden einmal an ein Jüdisches Zentralmuseum denken, wo alles, was der Jude war und ist, was das Judentum geleistet und gelitten, gesammelt und geordnet wäre. Wie lange noch wird Israel fremden Göttern dienen?! Ist denn im Vergleich mit anderen unser Gott weniger mild und gütig, unsere Geschichte weniger schön und ruhmreich, unser Volk weniger liebenswürdig und der Liebe weniger bedürftig?! Jüdische Mäcene, hier ist noch ein weites und dankbares Feld zu bebauen! Wohlverdiente Lorbeerkränze und Unsterblichkeit erwarten die Bebauer!1) ') Hier sei auch ergänzend auf die Sammlung „israelitischer Ritual- Gegenstände^ im städtischen historischen Museum zu Frankfurt a. M. hingewiesen. Die Sammlung enthält eine Anzahl von „Wimpeln*4 (Die älteste von 1777). An einem Toraschild (Tas) besagt eine Silbermarke, dass nach dem Gesetz von 1809 die Tafel, als zum Heiligtum gehörend, mit diesem Freistempel versehen wurde, um sie gegen das Einschmelzen zu versichern. Daneben bemerkt man eine Kethubba aus Livorno (1741), einen alten Verlobungsring, Beschneidungsutensilien, eine Chanuckalampe mit Darstellungen eines Liebespaares und der Ueberschrift „Amor", Hausmasken aus der einstigen Frankfurter Judengasse, von allem Gabeleisen zum Mazzothbacken, wie sie Jospa Habn erwähnt, u. a. m. Dr. G. Bücherschau. Monographien zur deutschen Kulturgeschichte, hersg. von G. Steinhausen. Leipzig, Eugen Diederichs. Mk. 4, geb. 5. E. Munimenhoff. Der Handwerker in der deutschen Vergangenheit. 1901. — In fleissiger Zusammenstellung werden bekannte Daten aus der ältesten deutschen Kulturperiode geboten. „Die Töpferscheibe übernahmen die Deutschen erst von den Römern." Wem fällt nicht sogleich das herrliche Gleichnis Jereni. 18. 3 ein? (Vgl. übrigens The Jewish Encycl. s. v. Pottery.) „Was sie an Eisen [in Palästina längst heimisch, vgl. Lev. 26, 19; Dt. 28, 23; Jer. Ez. Hiob u. s f.] bedurften, brachte ihnen der Handel ins Land." „Wohnten doch noch die merowingischen Könige in hölzernen Palästen, und waren doch noch die von Karl dem Grossen in Sachsen gegründeten Kirchen aus Holz erbaut," wie die in Hamburg noch im 11. Jahrhundert neuerdings in Holz aufgeführt wurde, während schon im alten Testament als Menschenwohnung der Steinbau vorherrscht. Flüchtige Seitenblicke, die uns für den Tiefstand der hier geschilderten Kultur das Auge schärfen. Sehr lehrreich sind die Ausschnitte aus dem Städteleben des deutschen Mittelalters. „Es kommt zu erbitterten, blutigen Kämpfen zwischen der Bürgerschaft und den Geschlechtern. In Magdeburg verbrannten

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