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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1907-01-01 · 3 (1907) · p. Seite 87

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
Issue
3 (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 87 (sequence 25)
Language
German
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— 87 — nach zehnjährigem Bestehen über mehr als 3000 Gegenstände1), — ein© nicht nur schöne, sondern auch höchst lobenswerte, von viel Energie und Umsicht zeugende Leistung, insbesondere wenn die ungünstigen inneren Verhältnisse im heutigen Oesterreich berücksichtigt werden. Ich muss aber leider hier auch auf einige Mängel hinweisen. Diese Mängel sind innerer und äusserer Natur. Was die ersteren anbelangt, so ist zu beanstanden, dass Gegenstände, die zusammengehören, nicht nur auf verschiedene Schränke, sondern auf verschiedene Räume verteilt sind. In der Aufstellung fehlt, wie es scheint, irgend ein leitendes Prinzip, wodurch die Uebersichtlichkeit verloren geht. Hierzu tragen die wenig praktischen Schränke viel bei. Im allgemeinen gewinnt man den Eindruck, als ob denjenigen Herren, denen die Aufstellung obliegt, die rechte Zeit dazu mangele. Der. Raum aber, wo ein „jüdisches Herz" wirklich ausruhen und an dem es Gefallen finden kann, ist die von Isidor Kaufmann erbaute „gute Stube". Es überkommt einen ein wehmütiges Gefühl über die nie mehr wiederkehrende schöne, gute, alte Zeit; man fühlt sich in seine Kinderjahre versetzt und man schaut sich unwillkürlich um, die Grosseltern suchend, um, ihnen „a guten Schabbes" zu wünschen. Seltsamerweise ist das Museum während der Sommerferien geschlossen, wodurch es nach aussen viel an Wert verliert. Gerade zu ein er Zeit, wo Wien am meisten von russischen, galizischen und rumänischen Juden besuchtwird, bleibt das Museum unzugänglich. Es schmälert sich auf diese Weise selbst den Kreis seiner Verehrer und Gönner, davon ganz zu geschweigen, dass manchem erst dann die Wichtigkeit der jüdischen Volkskunde und einer jüdischen Sammelstätte klar wird, wenn er ein Museum besucht hat. Wodurch diese neue Massregel hervorgerufen wurde, ist mir unklar. Vielleicht lassen sich aber diese Mängel ganz einfach dadurch erklären, dass der Gesellschaft die nötigen Mittel fehlen. Das mehr als bescheidene Einkommen der Gesellschaft wird beinahe ganz von der Miete verschlungen, und da einstweilen die reichen Juden oft eher bereit sind, einen Kirchen bau als ein jüdisches Museum zu unterstützen, so ist es doch Pflicht der Gemeinde, solche im wahrsten Sinne nationale Einrichtungen kräftig zu unterstützen und ihnen zum Gedeihen zu verhelfen. Ist es denn ganz unmöglich, einem jüdischen Museum in Wien von Gemeindewegen eine passende Stätte zu finden? Einstweilen ist doch noch nicht viel Raum dazu nötig und ein Nebenbethaus oder irgend ein anderer Gemeinderaum könnte dazu verwendet werden. Auf diese Weise bedeutend entlastet, könnte die Gesellschaft ihre Einkünfte teilweise für neue Erwerbungen und Publikationen, teilweise aber zur Anschaffung eines ständigen Dienstpersonals verwenden. Die kleine Sammlung jüdischer Gegenstände im Museum für österreichische Volkskunde hält selbstverständlich keinen Vergleich mit dem Jüdischen Museum aus. Im grossartigen kunsthistorischen Museum gibt es ausser einem Becher aus Galizien nichts Jüdisches, was übrigens auch zu erwarten war. Im Gewerbe-Museum fand ich eine gewöhnliche Chanukka-Lampe aus Messing. 1) Der Herr Verfasser hat selbst eine Sammlung wertvoller jüdischvolkskundlicher Gegenstände dem Museum leihweise überlassen. Dr. Gr.

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