Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 3 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 86 — in Saal 72 drei Schränke (9, 10 und 11)l) mit „Gerätschaften für den öffentlichen und privaten Gottesdienst der Israeliten", darunter sehr schöne Gegenstände, von denen einige bei Frauberger abgebildet sind. Ist die Sammlung vom jüdischen Standpunkte auch bescheiden zu nennen, so ist sie doch m. W. die grösste in einem deutschen Museum ausgestellte. Aber wie wenig Aufmerksamkeit die Leitung den ausgestellten Gegenständen schenkt, ist daraus zu ersehen, dass die Wimpel als „gestickte und bemalte Bandstreifen, als Hülle für das die Synagoge zum erstenmal besuchende Kind", erklärt werden. (Führer 1905, S. 132.) Und nun nach Wien, dem Endziel meiner Eeise. Das Bedürfnis, ein besonderes jüdisches Museum zu gründen, wurde in Wien ziemlich früh empfunden. Schon zu Anfang des Jahres 1893 war dort eine Anzahl von Männern zusammengetreten, die sich als vornehmstes Ziel die Gründung eines Museums gesetzt haben, in welchem die historischen Denkmäler, sowie die Erzeugnisse der Literatur, Kunst und Wissenschaft, insoweit sie auf die politische und die Kulturgeschichte der Juden Bezug haben, gleichviel ob sie von Angehörigen des Judentums oder von solchen anderer Völker stammen, gesammelt und aufbewahrt werden sollen. Diese Männer verdienen es wohl, dass ihre Namen auch hier mit Dankbarkeit genannt werden. Es waren: Abraham Epstein, Privatgelehrter; Max Fleischer, Architekt; Ludwig August Frankl v. Hochwart, Dichter und Schriftsteller; Theodor v. Goldschmidt, Baurat; Carl Grünhut, Univ.-Prof.; David Heinr. Müller, Univ.-Prof; Adam Politzer, Univ.- Prof., Adolf v. Sonnenthal, Hofschauspieler; Adolf Stein, Advokat; Wilhelm Stiassny, Baurat, und Sigmund Taussig, Oberbaurat. Das Museum wurde im November 1895 eröffnet, nachdem am 20. Februar 1895 die Konstituierung einer entsprechenden Gesellschaft genehmigt worden war, die sich etwas langatmig „Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums" benennt. Wenn auch die Frankfurter und die Wiener Gesellschaften beide dieselben Ziele verfolgen, so lässt sich doch nach Besichtigung beider Museen feststellen, dass sie verschiedene Wege betreten haben, die aber nicht auseinandergehen, sondern konvergierend sich gegenseitig vervollständigen. Augenblicklich lässt sich wenigstens sagen, dass beide Gesellschaften verschiedenen Zweigen ihres Programms ihre Hauptaufmerksamkeit widmen, indem nämlich die Frankfurter Gesellschaft ihr Augenmerk hauptsächlich auf die verschiedenen Kunst denkmäler gerichtet hat, was die oben erwähnte prächtige Vorlagensammlung bezeugt, während die Wiener Gesellschaft, ähnlich der Hamburger Gesellschaft, ihre ganze Aufmerksamkeit den volkskundlichen und hisorischen Denkmälern widmet. Nicht zum wenigsten ist diese verschiedene Richtungsweise den verschiedenen Lieblingsbeschäftigungen der Leiter beider Gesellschaften zuzuschreiben, aber, wie gesagt, beide vervollständigen sich in der glücklichsten Weise, indem sie zwar ein Ziel verfolgen, doch in verschiedene Gebiete gehörige Gegenstände zur Anschauung bringen. Das Wiener „Jüdische Museum" (Praterstrasse 23) verfügt jetzt *) Wir hoffen, in kurzem ihr Verzeichnis vorlegen zu können. Dr. Gr.