Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 3 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 82 — Es gibt übrigens doch in Düsseldorf eine Erinnerung an Heine, es ist eine Postkarte mit drei Ansichten (Proträt, Vorderhaus und eigentliches Geburtshaus), die im Metzgerladen unentgeltlich verteilt wird. Es muss dem generösen Stifter überlassen werden, zu entscheiden, ob dies aus Heine-Pietät oder Geschäftsreklame geschehe. Und nun den herrlichen Rhein von Köln bis Mainz hinauf. Die Rheinufer waren es wahrscheinlich, wo die Juden zuerst deutschen Boden betreten haben, und zwar mit den römischen Legionen zusammen, und dennoch birgt die Rheiugegend kein jüdisches Denkmal, dessen Alter in das frühe Mittelalter reiche, geschweige aus noch älteren Zeiten. Die braven Kreuzfahrer schienen mit allem, was jüdisch war, ob Mensch oder Haus, gründlich aufgeräumt zu haben. Ueberhaupt wurden die lockenden und blühenden Rheinufer nicht selten mit unschuldigem jüdischen Blute gedüngt. Manch schöne Sage wird dort von jüdischer Standhaftigkeit und jüdischem Heldenmut erzählt, während aber die allgemeinen Rheinsagen in verschiedenen Sprachen auf jedem Schiffe und in jeder Buchhandlung zu haben sind, suchte ich vergebens nach einer Sammlung rein jüdischer Sagen. Eine solche Sammlung könnte viel zur Stärkung der wankelmütigen, modernen Geschlechter beitragen, müsste aber gratis in jedes Haus und zwar in geschlossenem Umschlag zugestellt werden - denn die Zeiten, wo sich Juden um jüdische Bücher interessierten, sind längst vorbei. Wenigstens klagte mir gegenüber ein Berliner jüdischer Buchhändler, dass er in Deutschland fast nichts absetze, die meisten Kunden hätte er in Russland und Amerika. Ein kurzer Abstecher führte mich nach Friedberg zur Besichtigung der altehrwürdigen Mikwah, um deren Erhaltung die Frankfurter Gesellschaft sich sehr verdient gemacht hat. Im Germanischen Museum zu Nürnberg, wo nach strengem Plan alles zusammengetragen ist, was auf deutschem Boden seit der ältesten Steinzeit bis auf die Neuzeit an Kulturerzeugnissen gefunden wurde, hoffte ich, auch manches Jüdische zu finden, überzeugte mich aber gar bald, in meiner Hoffnung betrogen zu sein. Davon zu geschvveigen, dass das Museum, obgleich es in das Minutiöseste geht, keine jüdische Abteilung aufweist, ist die Zahl der im ganzen Museum zerstreuten jüdischen Gegenstände fast gleich Null. Ein Thoravorhang, eine Sederschüssel und vielleicht noch etwas, was ich nicht speziell notiert habe, — das ist alles, was ich gefunden habe. Und doch wird niemand leugnen, dass die Juden im Kulturleben Deutschlands eine gewisse Rolle gespielt haben, ob positive oder negative bleibt sich gleich, und diese ihre Rolle zur Schau zu tragen ist eine Pflicht eines germanischen Zentralmuseums. Die Leitung des Museums scheint sich dessen bewusst zu sein, indem sie jüdische Gegenstände erwirbt. So fand ich unter den „neuen Zugängen" auch ein jüdisches Stück. Es scheint aber nicht planmässig genug darauf hingearbeitet zu werden, eine selbständige jüdische Abteilung zu schaffen. Möglich, dass es dem Museum an dazu gehörigen Mitteln fehlt, nicht aber der gute Wille oder das Verständnis dafür. Es wäre deshalb eine Ehrenpflicht der Nürnberger Judenheit, hier mit Tat und Rat einzugreifen und so dem beschämenden Zustande abzuhelfen. Wie manches im Museum vielleicht sogar von Juden gestiftet worden ist, so können sich die