Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 3 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 81 — Tl. Über Bau und Ausschmückung alter Synagogen. Mit 44 Abb. Oktober 1901. „ III./IV. Uber alte Kultusgegenstände in Synagoge und Haus. Mit 151 Abb. Oktober 1903. Im grossen und ganzen sind die Mitteilungen ein Bilder- und Nachschlagewerk ersten Ranges und für jeden Forscher auf dem Gebiete der jüdischen Kunst und Volkskunde unentbehrlich. Leider war Herr Frauberger abwesend, aber der, wie es scheint, in alle Geheimnisse des Gewerbemuseums sowie seines Direktors eingeweihte und dennoch sehr bescheidene Hausmeister zeigte mir die Schätze der Frankfurter Gesellschaft, die im Düsseldorfer Kunstgewerbemuseum einstweilen aufbewahrt werden. Die» schönsten und kostspieligsten Sachen waren leider verschlossen, aber auch das, was ich zu sehen bekam, zeugt von grosser Energie und Arbeitslust sowie freudigem Opfermut seitens der Leiter der Gesellschaft. In verhältnismässig kurzer Zeit wurden mehrere Hunderte wertvoller Gegenstände und Büsten erworben, sowie eine wohl einzig dastehende Sammlung von etwa 1500 Vorlagen hergestellt. Der jungen Gesellschaft ist „ein fröhliches Gedeihen" zuzurufen und ihre Leiter dürfen des Dankes sicher sein. Inwiefern die Düsseldorfer Juden das Gedeihen der Frankfurter Gesellschaft gefördert haben, kann ich nicht feststellen. Dass aber ihr nationaler Sinn und Selbstbewusstsein noch nicht auf der nötigen Höhe stehen, ist uns deutlich genug daraus geworden, dass sie nichts für die Erinnerung an ihren zwar unglücklichen und viel geschmähten, aber trotzdem unsterblichen Volksgenossen, den in Düsseldorf geborenen Heinrich Heine getan haben. Und dennoch wäre es ihrerseits eine Pflicht der Pietät. Denn wer sonst sollte sich um die Wiege des an seinem Lebensabende reumütig zum Judentume zurückgekehrten Dichters kümmern? In Düsseldorf sein und Heines Geburtshaus, das ich mir in der Phantasie herrlich ausgeschmückt hatte, nicht zu sehen, schien mir ein Verbrechen zu sein. Es fiel mir aber schon schwer, das betreffende Haus zu finden, da man mich von Strasse zu Strasse wies, weil niemand ordentlich wusste, wo eigentlich das Heine-Haus liege. Und als ich es endlich fand (Bolkerstrasse 53), wurde mir auch der Grund dafür klar. Das Haus trägt nämlich keine entsprechende Aufschrift. Das Vorderhaus bewohnt jetzt ein Metzger, dessen Bursche so liebenswürdig war, mich in das eigentliche Heine-Haus, das im Hofe steht, zu führen. Ich ging eine schmutzige Treppe hinauf, klopfte an und befand mich in einer noch schmutzigeren unfreundlichen kleinen Arbeiterwohnung, die man mir als Geburtsstätte Heines bezeichnete, die aber nicht ein mal ein Heine-Porträt zierte. Beklommenen Herzens und tief beschämt ging ich hinaus. Unwillkürlich kamen mir die prophetischen Worte des Dichters in den Sinn: Keine Messe wird man singen, Keinen Kadosch wird man sagen, Nichts gesagt und nichts gesungen Wird an meinen Sterbetagen. Mitteilungen zur jttd. Volkskunde. Heft XXIII. Jahrg. 1907. Heft 3. 6