Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 3 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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- 83 - Juden einmal auch eine wirklich echt jüdische Stiftung gönnen. Dazu fehlen nicht die Mittel, sondern der Sinn für wahren Ahnenstolz; denn stolz müssen die Juden schon darauf sein, dass sie noch überhaupt existieren und dabei nicht die letzte Geige spielen. Wir haben zwar nur zweifelhafte moderne Adelsgeschlechter, aber jeder Jude des Mittelalters war ein Held, des schönsten Wappens wert, und die Nürnberger Juden gingen in manchem voran, wie es ihr Memorbuch erzählt1). Auf der Reise nach München hielt ich mich kurz in Regensburg auf, um die dort im Ulrichs-Museum, wie mir aus einer früheren Reise bekannt war, aufbewahrten jüdischen Schädel zu messen. Ich fand hier viel mehr, als ich erwartete. Aber manches, was ich gesehen habe, blieb für mich unaufgeklärt, da Prof. Steinnietz, an den ich Empfehlungen hatte, verreist war. Eigentliche Judenschädel fand ich nur zwei, dagegen birgt die Stadt viele Erinnertingen an die Vertreibung der Juden aus Regensburg im Jahre 1519, wobei der jüdische Friedhof zerstört wurde. Zur Erinnerung an diese glorreiche Tat schmückten die damaligen Regensburger ihre Häuser mit jüdischen Grabsteinen, ein Ideengang, der noch jetzt bei manchen Wilden zu beobachten ist, die ihre Hütten mit den Köpfen der erschlagenen Feinde oder ihnen angehörigen Sachen und Waifen schmücken. Solche eigentümliche, dem damaligen Geschmacke entsprechende Verzierungen sind an folgenden Häusern zu sehen: 1. im Hofe des Hauses des Herrn Sigmund Uhlefelder jnn.; 2. im Gange der Invaliden- und Krankenkasse, Neue Waaggasse; 3. am Emerans-Platz, Haus C 135 (Abb. 1); 4. Vor der Grieb, Ecke Waaggässchen, in der Höhe des 3. Stockes, und an manchen anderen. Ein Grabstein steht, von einem Holzgitter umgeben, in der Mitte eines Platzes, der „am Judenstein" genannt wird Viele Grabsteine werden im Ulrichs-Museum aufbewahrt. Dort sind auch vielleicht die einzigen noch erhaltenen mittelalterlichen Reste jüdischen Hausgeräts in Form von Krügen, Leuchtern und viereckigen Töpfen zu sehen (Abb. 2, 3 u. 4). lieber die Provenienz der letzteren, sowie über den Platz am Judenstein brieflich befragt, war Prof. Steinmetz so liebenswürdig, mir Folgendes zu antworten, wofür ich ihm auch an dieser Stelle bestens danke. „Eine Sage, Legende u. dergl. vom „Judenstern" gibt es meines Wissens nicht; in älteren Werken findet sich auch kein Grund erwähnt, warum dieser Stein auf dem öffentlichen Platz aufgestellt ward. x) Ein Herr M. Messerer. Nürnberg, bietet zum Kauf ein jüdisches Altertum an. Es ist dies ein kronentormiger Aufsatz eines Gesetzesschrankes der ehemaligen alten Nürnberger Synagoge, der sogenannte Judenstein, der sich in seinem Haus, Wunderbergstr. 1105 seit dem 13 Jahrhundert befindet. Dieser kronenförmige Aufsatz trägt die vergoldete hebräische Inschrift Kether thorab (Die Krone des Gesetzes). Bei der Vertreibung der Juden aus Nürnberg 1499 ist als einzige Rest der alten 1349 verbrannten Synagoge dieser Stein geblieben, von dem die Chronik sagt: „Dieser Stein ist nach den Juden blieben, als sie wurden von Nürnberg vertrieben von Haus, Häuf und Gassen fürwahr im Tausendvierhundertneunundneunzigsten Jahr". (Vgl. Würfel, hist. Nachrichten usw. S 55). Dieser Aufsatz besteht aus einem mit Krabben und Kreuzblumen versehenen spätgotischen Kielbogen in einer rechteckigen Ueberdrehung. Das Ganze in Sandstein stammt aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts. Dr. Gr. 6*