Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 3 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 75 — Da tut der Hausherr, als verliere er die Geduld und spricht zu ihm: „Mit solchem Egoismus geht ihr bei euch vor? Das erstemal hast du schlecht geteilt, und ich hab geschwiegen, und jetzt machst du es wieder so." Da erwidert der Jerusalemer: „Aber ich hab dir doch gesagt, dass es nicht meine Sache ist. Und doch hör zu und du wirst sehen, dass meine Teilung vielleicht nicht schlecht war. Das erstemal brachtest du fünf Hühner, und ich habe aus dir, deiner Frau und einem Huhn eine Dreiheit gemacht; aus den beiden Buben und einem Huhn eine zweite Dreiheit; aus den zwei Mädchen und einem andern Huhn eine neue Dreiheit, und endlich ich mit den beiden letzten Hühnern wieder eine Dreiheit. So kamen gleiche Portionen heraus, und niemand kam zu kurz. Heute abend brachte man wieder die Henne, ich nahm den Kopf und gab ihn dir, der du das Haupt des Hauses bist, der Leib gebührte der Hausfrau, denn von ihr stammen die Sprösslinge des Geschlechts, die Keulen kommen den Jungen zu, denn sie sind wie die Säulen des Hauses, und was besseres als Flügel für die Mädchen, die schon schmachten, wenn die Stunde kommt, dass sie flügge werden, und euch „Lebewohl" sagen? Ich bin zu Schiffe gekommen, und zu Schiffe fahre ich wieder fort, denn der Körper.der Henne ist ein wahres Schiff." Alle hörten ihm mit offenem Munde zu. Die Mädchen erröteten, wie es die Sitte wollte, der Hausherr nickte der Mutter mit ironischem Lächeln zu, und die jungen Burschen streckten voll Stolz ihre Brust heraus, wer wohl zuerst die Braut beglücken würde, die für einen solchen Bräutigam passt. Aber der Gast nahm keine Notiz davon, weil sein Herz an eine Sulamitin hingegeben war, eine von denen, die zu seiner Zeit auch dem weisen Salomo gefallen hatten. So sagte er nach einer Weile: „Jetzt hast du die drei Vergewisserungen, die du von mir erwartetest; gib mir also die Habe, die mein Vater in deinen Händen zurückgelassen hat." Und er gab sie ihm augenblicklich, und als es graute, sagten sie sich Lebewohl. Die jüdischen Kultgegenstände im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. (Vgl. diese „Mittenungen" Heft 2.) Von Direktor Prof. Justus Brinckmann. 1899,280. Silberne „Jad". Gerät des jüdischen Kultus, benutzt als Zeiger beim Lesen der „Thora". Der mit einer Krone in plastischer, durchbrochener Arbeit als Knauf versehene Griff besteht aus einem flachen, schraubenförmig gedrehten Band mit gezahnten Rändern beider Knopfhälften, grenzt den Griff von einem runden, horizontal geringten Rohr ab, das seinerseits unter einer Zackenmanschette in einen Arm übergeht, dessen Hand den ringgeschmückten Zeigefinger deutend ausstreckt.