Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 3 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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— 74 — Vom Barbier geht es auf den Markt. Die Käufer waren gar nicht zu zählen. Da kommt einer und fragt: „Wieviel macht das Paar?" „Zehn Drachmen." Der andere schneidet ein Gesicht. „Meinetwegen neun." „Aber es ist zu teuer." „Acht ist das wenigste." Da gibt ihm zum Schluss der Käufer mit den Sandalen ein paar auf seinen glänzenden Schädel und wirft sie dann in den Wagen. Dasselbe tut auch der zweite und dritte und alle übrigen Verschworenen. Er hielt es nicht länger aus und ging zu dem Verräter, der ihm den Rat gegeben hatte: „So, das ist der Dank für alles, was ich dir angetan habe, während du in meinem Lande warst?" „Geschieht dir ganz recht," erwidert der Jerusalemer, „in Zukunft merke dir, dass du meine Landsleute nicht verleumden darfst!" 10. Einer von Jerusalem ging in ein fremdes Land und wurde dort todkrank. Er ruft den Hausherrn, übergibt ihm sein ganzes Vermögen, das er bei sich hat und spricht zu ihm: „Wenn mein Sohn aus Jerusalem kommt und drei geistreiche Einfälle zeigt, so gib es ihm, aber ohne dies gib ihm nichts." Er kam in den Himmel,' und seine Seele ruhte aus. Die Eingeborenen machten unter sich aus, wenn der Fremde käme, sollte niemand ihm das Haus zeigen. Nach Tagen kommt der Sohn an und sieht am Tore der Stadt einen mit Holz beladenen Bauern. „Zu verkaufen?" fragt er ihn. „Jawohl." „Gut, nimm soviel es sich lohnt und trage es in das Haus des so und so." Der Bauer lief und der Jerusalemer hinter ihm her, bis sie an das Haus kamen. Der Bauer klopft und sagt: „Herr, nimm diese Ladung Holz!" „Aber hab' ich dir denn gesagt, das du mir Holz bringen sollst?" „Sieh hier den jungen Herrn hinter mir, der hat es bezahlt, damit ich es dir bringe." Sofort machte er ihm auf und Hess ihn hinein. „Wer bist du?* „Ich bin hier mein Lieber, der Sohn dieses Mannes, der in deinem Hause gestorben ist." So nötigte er ihn zum Sitzen und zum Essen. Damit haben wir eins. Der Hausherr hatte zwei Buben und zwei Mädchen. Zum Frühstück setzten sie ihm eine Schüssel mit fünf Hühnern vor, und der Hausherr bittet den Jerusalemer, die Portionen zuteilen. „Das ist nicht meine Sache," sagt dieser. „Aber ich will es, dass du uns Portionen machst." Er fing also an und bot ein Huhn dem Hausherrn und seiner Frau zusammen an, nahm noch eins und bot es den Buben an, das dritte gab er den Mädchen, und das Paar, das übrig blieb, legte er sich selbst vor. Sie assen und sprachen kein Wort. Und damit haben wir zwei1). Es wurde Abend, und man setzte sich wieder zu Tische . . . Diesmal hatten sie eine fette und zarte Henne zu teilen. Nach dem gewöhnlichen „Schneide ab," „Aber es kommt mir nicht zu," „Aber ich will es," nahm der Gast das Messer und legte dem Manne den Kopf der Henne vor, der Hausfrau den Leib, jedem Sohn eine Keule, den beiden Töchtern die Flügel und für sich selbst behielt er den ganzen übrigen Körper. 3) Vgl. uns. „Mitteil." II S. 67. B. Bed.