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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1907-01-01 · 3 (1907) · p. Seite 72

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
Issue
3 (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 72 (sequence 10)
Language
German
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— 72 — und fragt ihn: „Wieviel Rauch gibt eine Ladung Holz?" Der Priester antwortet ihm sogleich: „Wenn das Holz trocken ist, wird alles zu Rauch; wenn es aber nass ist, dann hast du ein Drittel Rauch, ein Drittel Asche und das andere Drittel verzehrt das Feuer." 7. Ein paar jüdische Jungen in Jerusalem hielten einen Athener zum Narren. Er ging in eine Schule, als der Lehrer fort war. Er legte ihnen Fragen vor, und sie antworteten. Nach einer Weile sagen sie zu ihm: Lass uns eine Abmachung treffen, dass wir der Reihe nach fragen, einmal du und das andere Mal wir, und wer nicht antworten kann, verliert seine Kleider." „Ich bins zufrieden." „So frage du zuerst, da du älter bist." „Nicht doch, fanget ihr an, da ihr Einheimische seid." „Gut, so erkläre uns folgendes: im neunten kommts heraus, im achten gehts hinein; zwei schenken ein, einer trinkt und 24 bedienen." Dem Armen wurde schwindlig und er wasste nicht, was er sagen sollte. So nahmen sie ihm denn seine Kleider weg. Aber der Reisende, der natürlich nicht mit dem Quersack auf der Schulter umherlief, geht hinauf in das Haus des Lehrers und spricht rot vor Scham und Zorn: „Aber was für eine Unerzogenheit plagt die Kinder in diesem Lande, dass sie einem Fremdling, der hierher kommt, die Kleider fortnehmen, die er am Leibe trägt?" Der Lehrer, der schon merkte, was los war, verbeisst sich das Lachen und fragt ihn: „Haben sie dir vielleicht eine Frage gestellt, die du nicht beantworten konntest?" „Du hasts getroffen!" „Und was war das für eine Frage?" „Das und das haben sie mich gefragt, ein furchtbares Durcheinander." „So will ichs dir denn erklären und du kommst mit den Kindern in Ordnung. Neun Monate dauert es, bis die Mutter entbunden wird; am achten Tage kommt es in den Bund Abrahams; zwei schenken ihm ein, das sind die Brüste; und eins ist das kleine Kind, welches 24 Monate trinkt, solange das Säugen dauert". Da eilt er wie ein Vogel davon und bringt den Schülern die Antwort. Sie zeigten sich grossmütig und Hessen ihn seine Blosse bedecken. 8. Ein anderer Athener, der nach Jerusalem gegangen war, mühte sich dreieinhalb Jahre ab, um das Land zu verstehen und hatte kein Glück. Da entschloss er sich, fortzugehen, aber er wollte zuerst einen Sklaven kaufen. Man einigte sich um den Preis, er bezahlte und da erst bemerkte er, dass der Sklave auf einem Auge blind war. Er fängt also an zu schreien und sich zu beklagen. „Du hast ein vorzügliches Geschäft gemacht," sagt zu ihm der Sklavenhändler; der Sklave, den du gekauft hast, ist äusserst gescheit und sieht so viele Meilen weit, dass mans kaum glauben kann." So kamen sie ins Freie. „Mach schnell," spricht der Sklave, „wenn du willst, dass wir die Karawane erreichen." „Was, eine Karawane ist vor uns?" „Ja", sage ich dir, „es ist ein einäugiges Kamel mit zwei Jungen im Leibe, mit zwei Schläuchen beladen, in

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