Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1907-01-01 · 3 (1907) · p. Seite 71

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
Issue
3 (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 71 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2638044-2638053-2638056--0437-2638629
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 71 — willst; aber zeig' mir zuerst, wie man das macht, was du sagst." Da lacht der Wirt über seine Unwissenheit und springt mit einem Satz mitten in den Laden hinein, mit einem zweiten an die Tür und mit dem dritten hinaus auf die Strasse. Da steht unser guter Fremdling auf, schliesst ihm die Tür vor der Nase zu und spricht zu ihm: „Du wolltest es mir vormachen, und nun hast du dich wunderschön fangen lassen!" 2. Einmal kam einer von Athen nach Jerusalem. Er findet ein kleines Bürschchen, gibt ihm Geld und sagt zu ihm: „Geh und kauf uns Feigen undTrauben!" „Sofort, und du hast ganz richtig gesagt: Kaufe uns; du gibst das Geld und ich meine. Mühe." » Wie er zurückkommt, spricht zu ihm der Fremde: „Nun teile sie, mein Sohn!" Der Strick sucht für sich alle schlechten aus und legt die guten dem Athener vor. Dieser denkt: „Man hat ganz recht, wenn man sagt, dass die Kinder von Jerusalem ganz manierlich sind; er merkt, dass das Geld fremd ist und hat sich anständig benommen." Aber plötzlich sprang der Bube auf und sprach: „Jetzt wollen wir losen! Wenn ich deinen Namen finde, gibst du mir die Portion, die ich dir gegeben habe". Das Spiel kam zustande, und der Fremde brachte es dahin, dass der Kleine gewann. 3. Ein Athener kam zufällig nach Jerusalem. Eines Tages wollte er einen Buben necken und gibt ihm einige Hellerstücke mit dem Auftrage, ihm etwas dafür zu kaufen, das er essen könnte, davon satt werden und dann noch etwas für die Eeise übrig behalten. Der Junge geht und bringt ihm Salz. „Du Lump, habe ich dir gesagt, dass du Salz holen solltest?" „Hast du mir nicht gesagt, ich solle dir etwas kaufen, wovon du essen, satt werden und noch etwas übrig behalten könntest für die Eeise? Ich habe dir gedient, Herr." 4. Ein anderer Athener findet einmal in einer Strasse von Jerusalem einen zerbrochenen Mörser. Er hebt die Scherben auf und trägt sie in eine Schneiderwerkstatt. „Tu mir den Gefallen," spricht er zu dem Meister, „und nahe mir die Stücke zusammen." Der Schneider verliert nicht die Fassung, sondern rafft einen Haufen Erde auf und spricht zu ihm: „Mach mir, bitte, einige Zwirnfäden daraus." 5. Ein anderer wiederum begegnet einem Jungen und gibt ihm Geld, um Eier und Käse einzukaufen. Wie er zurückkommt, fragt ihn der Athener: „Welcher Käse ist von einer weissen Ziege und welcher von einer schwarzen?" Aber der Junge zeigt auf die Eier und spricht zu ihm: „Tu mir den Gefallen und sage du mir, der du ein alter Mann bist, welches Ei ist von der weissen Henne und welches von der schwarzen?" 6. Ein Athener, der an den Naturwissenschaften Gefallen zu finden schien, tritt zu einem Priester von dem grossen Tempel in Jerusalem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.