Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 3 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 69 - Auch wirkte der berühmte Rabbiner R. Hirsch Abraham Bleichrode in Kurnik, wo er auch am 10. März 1859 gestorben und bestattet worden ist. Von den 40 er Jahren an ging die Gemeinde Kurnik stetig zurück. 1835 zählte sie, wie erwähnt, noch 1226 Juden, 1840 noch 1170 und nach der Zählung von 1900 nur noch 198 Seelen. Jüdisch-griechische Schnurren. Von Dr. K. Dieterich, Leipzig-Conn. Der grosse Kulturkampf, der sich' in Alexandria, dem Brennpunkte der spätantiken Welt, zwischen Griechentum und Judentum abspielte, liegt in seinem welthistorischen Verlaufe deutlich vor uns. Ein Ringen zweier alter Kulturwelten, über denen sich siegreich eine dritte erhob. Aber erst ganz allmählich wurde das Christentum zur Weltreligion. Zunächst galt es nicht den Kampf um zwei Religionen, sondern um zwei einander fremde Kulturen: die heidnisch-hellenische und die jüdische. Und in diesem Kampf zog, wie wir an anderer Stelle auseinandersetzten (Der Zeitgeist 1904 Nr. 13), die griechische Kultur den kürzeren. Eine Menge semitischer Spuren zeigt sich in der Literatur, in den Sitten und Anschauungen des byzantinischen und neueren Griechentums. Darauf soll hier nicht noch einmal eingegangen werden. Vielmehr wollen wir die früheren Ausführungen nach einer bisher unbekannt gebliebenen Seite ergänzen, nämlich nach den Nachrichten und Schilderungen über das erste Aufeinanderplatzen von Griechen und Juden im Geschäfts- und Verkehrsleben, was beiden Gelegenheit gab, ihre Schlauheit und ihren Scharfsinn aneinander zu erproben und auf jede Weise einander zu überlisten und zu übertrumpfen. Hieraus hat sich nämlich bei den Juden eine eigene Anekdotenliteratur entwickelt, und das ging so zuw. etwa um die Mitte des ersten Jahrhunderts v. Chr. knüpften sich engere Handelsbeziehungen an zwischen Athen und Jerusalem; athenische Kaufleute kamen nach Jerusalem, und jüdische nach Athen, die sich sogar dort ansiedelten. So bestand, als Paulus nach Athen kam, dort schon eine ganze jüdische Kolonie. Und Josephus erzählt, dass die Athener Herodes dem Zweiten ein Denkmal in Athen errichteten1). Waren also auch die Beziehungen zwischen beiden Handelsvölkern durchaus friedliche und freundliche, so mochte es den Juden doch bald zum Bewusstsein kommen, dass sie in den Athenern ihre Meister gefunden hatten; noch heute heisst es ja im Orient, dass ein Grieche vier Juden betrügt. Solche Erfahrungen müssen l) Auch der Bereuike, der Geliebten des Titus. Vgl. C. I. G. — Ueber griech. Einflüsse auf die althebr. Literatur handeln Mor. Friedränder und Sellin. — Dr. Gr.