Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 3 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2638044-2638053-2638056--0434-2638626- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 68 — Baumeister der letzteren zu schliessen, so ist sie ebenfalls von dem Baumeister Hillel Benjamin aus Lasco i/Polen erbaut. Wie Herr Bersohn mitteilt, bat dieser Baumeister seine Kunst in Deutschland erlernt. Er stürzte bei dem Bau der Synagoge in Zloczow vom Dache und starb dort. Wie erwähnt, besteht die Synagoge in Kurnik aus Holz, aus der Länge nach übereinandergelegten 6 zölligen Kiefernbohlen, die an den Enden durch starke Zapfen und Winkeleisen befestigt sind. Etwa 100 Jahre nach Erbauung der Synagoge haben, wie dies darin angebrachte Inschriften bezeugen, wohlhabende Gemeinde-Mitglieder und Vereine die Umfassungswände mit einer äusseren Bretterbekleidung versehen. Der eigentliche Betraum hat an der westlichen Schmalseite einen Eingang, der durch einen auf vier Holzsäulen ruhenden Porticus geschützt ist Das Dach, aus Holz mit Teerpappe überzogen, besteht eigentlich aus drei Abteilungen, dem architravartig rings herumlaufenden Fries, einer ziemlich steilen, etwas gebogenen Abteilung mit Lichtluken und aus einer schrägen, spitzkuppelartigen oberen Abteilung. Sehenswert ist das Innere der Synagoge: Ein grosser, rechtwinkliger Raum, einer grossen Gemeinde wie Kurnik einst gewesen, angepasst. Der Aron ha-Kodesch (heilige Lade) im Rokocko-Stil, mindestens 200—300 Jahre alt, stammt aus einer noch älteren Synagoge, der Vorgängerin der hier beschriebenen, ebenso der in demselben Stile ausgeführte Stuhl für Elijahu. Die in grosser Menge früher benützten Betpulte (Ständer) im Parterre- Betraume wurden etwa vor 15 Jahren durch hundert Sitzplätze enthaltende moderne Kirchenbänke ersetzt. Zur Zeit der Erbauung der Synagoge fungierte in Kurnik der altberühmte Rabbiner Israel Moses, nach seinem Werke rhttü/ ''EtSH genannt1); derselbe hat das Gotteshaus, dass er in der Vorrede zu seinem Werk erwähnt, feierlich eingeweiht. Er starb im Anfange des vorigen Jahrhunderts2); ein genaues Datum seines Todestages oder Jahres war leider nicht zu ermitteln. Sein Sohn, David Tebele, wirkte in Kurnik später als Rabbinats-Verweser. Nachfolger des Isr. Moses waren R. Juda Joel und R. Joske Spiro. Der letztere war Lehrer und Schwiegervater des später als Reformer bekannt gewordenen Dr. S. Holdheim3). *) Nach Dr. Lewin „Geschichte der Juden in Lissa" S. 261 kam Pi^Kt^ ^Et&H erßt 1781 nach Kurnik, also 14 Jahre nach dem Beginn des Baues der Synagoge. 2} 1811 Hess er persönlich sein Werk Pl^Nl^ ^Ct£H in Warschau drucken. (Dr. Lewin.) 3) Holdheim wurde 1806 zu Dzialoszyn in Polen geboren, verbrachte seine Jugendjahre als Bachur in Kempen i/P., ging dann nach Kurnik. Er wurde später Rabbiner in Frankfurt a/O.. zuletzt Prediger an der Reform- Synagoge in Berlin und starb 1860.