Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 3 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 66 - ursprünglich Rosenthal. Im Jahre 1806 kam er nach Budapest und widmete sich ausschliesslich seiner Kunst. 1824 magyarisierte er seinen Namen, als er zum Ehrenmitglied des Veszprimer Musikvereins gewählt wurde, ßözsavölgyi hinterliess zahlreiche kostbare Musikwerke, die ihm einen dauernden Namen sichern. In den 30 er Jahren gastierte Rözsavölgyi öfters in Wien und die Wiener Blätter priesen begeistert seine Virtuosität. Er starb am 23. Januer 1848 im 66. Lebensjahre. Es wurde ihm von Petöfi ein poetischer Nachruf gewidmet. Schon der hervorragende ungarische Dichter Michael Csokonai (L773) gibt in seinen Werken einen interessanten Bericht von dieser Judenmusik. So lesen wir in seinem weltberühmten komischen Epos „Dorothea": „Die Juden von Toponar sind berühmte und vorzügliche Musikanten." Schon am Anfange des Werkes stellt er uns die Toponarer Juden vor mit ihrem Kapellmeister Isak. der mit seinen feurigen Weisen die lustige Gesellschaft bis zum Tagesanbruch bei Wein und Tanz köstlich unterhält. Auch sonst erfreute sich die Toponarer Judenkapelle weit und breit des besten Rufes. Doch nicht allein Toponar besass Judenkapellen; auch von Kaposvar im Zala'er Komitat wird erzählt, dass dort zahlreiche renommierte Judenkapellen ihren Sitz hatten. Ebenso berühmt waren die Finaly sehen Musikanten. Auf dem Ö-Budaer jüdischen Friedhofe ruht Anschel-Finaly, der einst beliebte und vielfach ausgezeichnete Kapellmeister der Hofkapelle des Palatinus, ein Ahn des Universitätsprofessors Dr. Heinrich Finaly. In der Literatur ist diese kulturhistorisch und ethnographisch bedeutsame Frage bisher kaum behandelt worden. Kurz befasste sich damit Josef Döczi im 9. Bande seines bekannten geographischen Werkes „Der Spiegel Europas". Der obengenannte hervorragende ungarische Tondichter Stefan Bartalus schrieb in dem Werke „Die Völker der österreichisch-ungarischen Monarchie" über die ungarischen Judenmusikanten. Auch in einigen Werken Jokai's wird ihrer Erwähnung getan; ein Beweis dafür, dass sie im ungarischen gesellschaftlichen Leben eine beachtenswerte Stellung einnahmen. In Budapest lebten zu jeder Zeit in grösserer Anzahl jüdische Musikanten. In einzelnen wohlbesuchten Kaffeehäusern spielten ständig jüdische Kapellen, die auch zu rituellen Festlichkeiten in jüdische Häuser gerufen wurden. Der ungarische Gelehrte Dr. Sigmund György, der im In- und Auslande grössere Forschungsreisen unternommen hat, behauptet in seinen Werken, dass die jüdischen Musikanten die Begabung zur Musik mit der Geburt zur Welt bringen. An der rumänischen Grenze steigen fast bei jeder Station jüdische Violinisten ins Coupe, die für ein kleines Trinkgeld lange Strecken die schönsten Lieder spielen.