Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 3 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Pfeilungen zur jüdischen Volkskunde. Organ der Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg und der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums In Wien. Heft XXIII. Jahrg. 1907, Heft 3. Jüdische Zigeunerkapellen in Ungarn*). Von Lehrer L. Schlosz, Biniaszombat. Ein im Aussterben begriffener Typus ist der ungarische Judenmusikant. Jahrzehnte hindurch spielte er im ungarischen Volksleben eine höchst interessante Rolle. Heute treffen wir nur hier und da noch einen in Zigeunerkapellen an, äussert selten in Theaterorchestern. In einigen Ortschaften Siebenbürgens, in den ungarischen Komitaten: Märamaros, Bereg, Ung, ferner in den Städten Kaposvar, Nagy-Kanizsa, Szeged, Ersekujvär und in der Landeshauptstadt Budapest leben noch heute jüdische Musikanten. Sie finden einen ziemlich lohnenden Erwerb. In den nördlichen Komitaten des Landes existieren sogar jetzt noch kleinere Kapellen, allein ihre Zahl nimmt von Tag zu Tag ab. In der Geschichte der ungarischen Volksmusik des XVIII. und im Beginn des XIX. Jahrhunderts waren die jüdischen Musikanten die Förderer und Interpreten der ungarischen Volksmusik, besonders in den Gegenden jenseits der Donau. Wie Stefan Bartalus berichtet, war Markusz Rözsavölgyi der grösste ungarische Musiker, der den aus dem XVI. Jahrhunderte stammenden schönen „Palotäs-Tanez" modern umarbeitete und ergänzte. Er wurde zu Balassa Gyarmat 1787 geboren und hiess *) Bekanntlich, betreiben in Ungarn die Volksmusik Zigeuner, deren wohlorganisierte Kapellen auch im Ausland sehr beliebt sind. [Ein ungarischer Musikkenner, der vor einiger Zeit in der „N. Fr. Presse" über Franz Liszt geschrieben hat, wies nach, dass die Zigeunermusik vor 90 Jahren überhaupt noch nicht existiert hat und ihre Entstehung dem jüdischen Musikanten verdankt, den Vambery über ganz Asien bis an die Ufer des Ganges verbreitet fand. [Vgl. Jeschurun 1901 S. 226. D. Red.] Mitteilungen zur jüd. Volkskunde. Heft XXHI. Jahrg. 1907. Heft 8.