Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 2 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 4o — meinde. Er wird zur Kcerdigung nur noch benutzt für die wenigen, die auf eine früher erworbene Grabstätte ein Anreeht haben. Für alle anderen dient der Friedhof in Ohlsdorf. Stelzner, in .seinem Versuch eiuer zuverlässigen Nachricht von dem kirchliehen und politischen Zustande der Stadt Hamburg usw. Bd. V; S. 3t)2, berührt diese Angelegenheit nicht, sondern sagt in bezug auf Beerdigungen während der Pestzeit im .Jahre 171H: Weil die Pest von Tage zu Tage mehr überhand nahm, als Hess K. Ifoeh-lvller R.vht, ohnweit der Stern-Sehantze einen Piatz anweisen, auf welchen so wohl Christen als .luden begraben worden.'4 Diese Angabe bezüglich der Anweisung des «Platzes mag richtig sein, zu bezweifeln ist jedoch, dass auch die Juden sieh desselben zu Beerdigungen bedient haben; denn da sie bereits ihrer, Friedhof besassen, wurden sie wohl aus rituellen Gründen diesen einem gemeinschaftlichen Grabe vorgezogen haben. Ich kann nicht annehmen, dass bei dem Vorgehen der Feldbrunneuinteressent>n »»ine Animosität gegen die .luden die Triebfeder gewesen sei. vielmehr dürfte es sich in der Tat um die Sorge für die Reinhaltung des Brunnens gehandelt haben, denn, betrachtet man die tomographischen Verhältnisse, so ergibt sich, dass der Friedhof wesentlich höher lag als der Brunnenhof, der wenig entfernt von dem Platze war, wo jetzt Grindealiee und Grindellmf einen Winkel bilden. Die umliegende Gegend dessell war eine «juelleureiche,- woran die Namen der parallel mit der iu»..- Mallee verlautenden Bornstrasse und die mehr «istlich gelegene «Vldbrunnenstrass»-, wohin der Dammthor-Feldhrunnen später verlegt worden war, noch erinnern. Die Entfernung des Brunnenhofes am Grindel vom Friedhof betrug ungefähr 200 Meter, aber der Friedhot lag;»uf sandigem Boden, der sich hier über weite Strecken ausbreitet n: deshalb war die Befürchtung der Interessenten nicht ganz *u gegründet, denn es ist ja feststehend, dass sandiger Boden aut grosse Entfernung hin sehr durchlässig ist. Und wenn es sich auch zunächst nur um eine geringe Zahl Beerdigter handelte, so ist doch in Betracht zu ziehen, dass es eine Zeit war, in der Hamburg von einer schweren Seuche stark heimgesucht wurde, was die Angst jedenfalls noch erhöht haben mag. Schon seit dem Jahre 1708 war die Bubonenpest *) in Europa aufgetreten, zuerst in Ungarn und Polen; war dann 170U über Litthauen nach Lievland und die Weichsel hinab nach Preussen geschritten, wo sie in Fraustadt, Thorn und besonders in Danzig zu einer verheerenden Epidemie heranwuchs, so dass die letztere ') Ausführliches über die IVst enthalten die Schriften: Hamlmrg wahrend der Pestjahre 1712-1714 von Prof. Dr. Adolf Wohlwill und Mitteilungen auf* der älteren Medizinalgoscuichte Hamburgs von Physikum Dr. fiernet.