Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 2 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 41 Und er antwortete ihr: ,.Ja, er wird sterben, Abraham ist auch gestorben, und alle anderen^ Propheten, auch sie sind gestorben/1 Und Moses sagte zu seiner Frau: „Wo sind meine Kinder? Da antwortete seine Frau: „Sie. schlafen im Bette." Da sagte Moses: ,.Lass sie zu mir kommen!" Sie weinte bitterlieh. Sie ging weinend und sagt(» ihnen: Geht zu ourein Vater, bevor er stirbt, denn ihr werdet ihn nicht mehr sehen!" Sie weckte die Kinder vom Schlafe und sagte ihnen, sie an der linken und rechten Hand führend: „Beweinet euren Vater, denn Ihr werdet bald scheiden!" Da sagten sie ihr: ,.Wo ist.unser Vater?*1 Sie führte sie zu ihrem Vater und sagte ihnen: „Betrachtet euren Vater, bis ihr euch an ihm sättigt, denn bald werdet ihr euch von ihm trennen!*4 Als sie ihren Vater erblickten, Helen sie aufs Antlitz und weinten bitterlich, und Moses weinte mit ihnen, dann sagte er ihnen: ..Wir trennen uns von der Erde." Da sagte seine Frau: ..Wir werden uns nicht mehr sehen.u Da setzte er seinen jüngeren Sohn' Eleasar auf sein rechtes Knie, um ihn zu segnen, und den anderen Sohn, Gcrson, den älteren, auf sein linkes Knie, um ihn zu segnen. Da sagte der jüngere zu seinem Bruder: „Von der Zeit au, wo wir uns von unserem Vater trennen, wird derjenige, der uns geliebt — uns misshandeln, und der uns gehasst uns fortjagen."1 Als Moses diese Worte seiner Kinder vernahm, da weinte er. und Erde und Himmel weinten mit ihnen. Da sagt»- Gott: „Warum jammerst du? Et>va deshalb, dass du die Erde verbissest oder weil du dich vor dem Tode fürchtest?" Und Moses antwortete Gott: „Meine zwei Kinder zwingen mich, zu weinen. Der Vater meiner Frau, Jetro, ist tot und mein Bruder Ahron auch. Wenn ich jetzt auch sterbe, wem werde ich sie überlassen?u Da sagte Gott zu Moses: ..Habe ich dich vergessen, als du geboren warst, damals, als deine Mutter Jochebed dich in einem Korb versteckte und dem Wasser übcrliess? Ich habe Pharao, dem Könige von Aegypten, den Mund festgemacht. Ich habe es getan, damit er •-nicht spreche. Habe ich denn vergessen, Pharao s Tochter Tarmut dich so lieb gewinnen zu lassen, um dich „mein Kind"' zu nennen und vierzig Jahre zu behalten? Jetzt erhebe dich, nimm deinen Stab und spalte das rote Meer!" Moses erhob sich und spaltete das Meer. Dann aus dem Meere herauskommend, fand er einen grossen rollenden Stein Und Gott sagte zu Moses: „Spalte diesen rollenden Stein!" Moses schlug den Stein und der Stein zeigte einen Spalt, durch den er eine mit grünem Gras gefüllte Höhlung erblickte. In dieser Höhlung befand sich ein kleiner Wurm, der sagte: „Gelobt sei der Herr, der auch in der Meerestiefe bis auf den heutigen Tag mich nicht vergessen hat!" Da sagte Gott zu Moses: „Siehst du, obgleich (dieses Würmchen) sich im Innersten dieses rollenden Steines, der tief im Abgrunde des Meeres lag, befand,