Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
- Issue
- 4 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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- 160 - sind unter den europäischen Juden sechsmal häufiger vertreten als unter den afrikanischen und 3) die auch in Europa seltene sogenannte Judennase ist in Afrika noch viel seltener. 4. B. Goldberg. Ueber die sprachlichen Verhältnisse der Juden Russlands. Heft 6 und 7. Der Verfasser bespricht die sprachlichen Verhältnisse der Juden Russlands auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom Jahre 1897. Es hat sich herausgestellt, dass von den 5 217 805 russischen Juden 5063 156, also 98%, das Jüdische als Umgangssprache sprechen. Es lässt sich aber auch andererseits konstatieren, dass die Verbreitung des Jüdischen nicht nur nach den Rayons verschieden, sondern auch die Zahl der nichtjüdisch sprechenden Juden ausserhalb des Ansiedlungsrayons überhaupt, und in den grossen Städten im besonderen ziemlich bedeutend ist. So beträgt die Zahl der nichtjüdisch sprechenden in Prozenten: in Nordwest-Russland 0,66; in Südwest-Russland 0,65; in Süd- Russland 3,61; in Polen 4,26; ausserhalb des Ansiedlungsrayons 5,2. Während die jüdische Bevölkerung des flachen Landes fast ausschliesslich jüdisch spricht, findet man nichtjüdisch sprechende in Prozenten: in Moskau 38,82; in Petersburg 24,88; in Warschau 15,67; in Odessa 10,5; in Lodz 6,5 und in Kiew 6,16. Unter den nichtjüdischen Sprachen ist selbstverständlich das Russische am meisten verbreitet, ihm folgt das Polnische, das aber nur in den Grenzen des engeren Polens gesprochen wird. Viel weniger wird deutsch gesprochen, im ganzen Ansiedlungsrayon von nur 4302 Seelen. Seltsam ist für den Niehtkenner der Verhältnisse die Gruppe von 3542 Seelen tatarisch sprechender Juden; es ist ein vielleicht seit dem grauen Altertum in der Krim lebender jüdischer Stamm der Krimtschaken. Es gibt auch eine kleine nur 533 Seelen zählende Gruppe Litauer mosaischer Konfession. Eigentümlich und auf den ersten Blick überraschend ist die Tatsache, dass es auch Nichtjuden gibt, die jüdisch als Mutterprache sprechen. Es sind „gewesene" Juden, die noch den Mut hatten, ihre einstige Zugehörigkeit zum Judentum nicht zu verleugnen. Im Ansiedlungsrayon traf man nur 5366 solcher Personen, darunter 2451 Griechisch-Orthodoxe, 2054 Katholiken, 562 Lutheraner, 178 andere Christen und sogar 121 Mohamedaner; sie machen nur 0,ll°/0 der gesamten jüdischen Bevölkerung aus. Ausserhalb des Ansiedlungsrayons ist diese Gruppe etwa zwölfmal so gross (1,33%), da die Juden dort infolge der strengen Handhabung der Aufenthaltsgesetze zur Taufe förmlich genötigt werden. Als Endresultat des Studiums der sprachlichen Verhältnisse stellt Goldberg folgende Sätze auf: 1) Unter der jüdischen Bevölkerung Russlands, die fast die Hälfte der Juden der gesamten Welt darstellt, besitzt die , jüdische" Sprache oder schlechtweg der „jüdisch-deutsche Jargon" eine überwältigend dominierende Bedeutung; ihrer bedienen sich als Mutter- und Umgangssprache 976 unter je 1000 Juden Russlands; nur 24 von 1000 weisen eine andere, nichtjüdische Muttersprache auf. 2) Wenn wir auf Grund der hier mitgeteilten offiziellen Ziffern einer staatlichen Volkszählung über den Grad der stattgehabten Assimilation der jüdischen Bevölkerung Russlands einen Schluss ziehen wollen, so müssen wir feststeilen, dass die grosse jüdische Masse in Russland von einer solchen fast gänzlich unberührt geblieben ist und dass sie als einheitlicher nationaler Organismus aufgefasst werden niuss. Die sprachliche Assimilation hat im grossen und ganzen nur einen ganz geringen Bruchteil der Juden Russlands (2,36%) berührt. 3) Die „jüdische" Sprache, früher verächtlich als „jüdisch-deutscher Jargon" bekannt, muss als Volkssprache der Juden Russlands angesehen werden. 5. R. Weinberg. Die transkaukasischen Juden. Heft 5. Zahl (34343), einige biostatische und anthropologische (nach Pantjuchow) Daten.