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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 4 (1906) · p. Seite 155

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
4 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 155 (sequence 35)
Language
German
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— 155 — Verfassers, auf die ich nebenbei aufmerksam machen möchte. Sie ist betitelt1 „Der Sulzerismus and die moderne synagogale Liturgie.14 („Die Wahrheit1' 1905.) Auch hier fallen die verblüffende Belesenheit und die totale Beherrschung des Stoffes auf. Beide Abhandlungen sind allen Liebhabern des jüdischen Volkstums und besonders den Rabbinern und Kantoren bestens zu empfehlen. Jaques Faitlowitch« Notes d'un voyage chez les Falachas (Juifs d' Abyssinie). Rapport präsente ä M. le Baron Edmond de Rothschild. Paris, Ernest Leroux, 1905. 27 S. Das Büchlein ist eine kurze Berichterstattung über die Reise des Verfassers nach Abessinien behufs Aufsuchen und genaueren allseitigen Studiums der dortigen Juden. In der Einleitung werden kurz die Geschichte der Entdeckung sowie der wenigen Versuche jüdischerseits, mit ihren abessinischen Glaubensgenossen in Verbindung zu treten, geschildert. Das erste Kapitel behandelt den Verlauf der Reise selbst, während das zweite Kapitel kurz das Leben und die Sitten der Falaschas beschreibt. Die Reise dauerte von Januar 1904 bis August 1905. Während dieser Zeit bereiste Fa'itlowitch fast alle Provinzen des abessinischen Reiches, von Massaua ausgehend. Rührend schildert der Reisende seine erste Bekanntschaft mit einigen Falaschas in Axoum. Sie wollten nicht glauben, dass ihnen ein europäischer Jude gegenüberstehe. ,,Alle Europäer, „sagten sie," die zu uns kommen, geben sich als Juden aus; das ist aber nicht wahr, denn sie predigen das Evangelium. Wahrscheinlich gibt es überhaupt keine Juden mehr auf der Welt. Vor etwa 40 Jahren kam zu uns ein Weisser, der sich Jude nannte, namens Josef (Josef Halevy); auch er versicherte uns von der Existenz der Juden in Europa; er versprach ihr Interesse an uns zu wecken, eine Gesellschaft zu unsrer Aufklärung zu gründen, uns Lehrer und Rabbiner zu senden, damit wir lernen, in den Lehren Moses aufrichtig zu wandeln. Wir haben aber seitdem weder irgend eine Sympathie-Bezeugung noch überhaupt eine Nachricht von diesen weissen Juden, auf die wir soviel vertrauten, erhalten. LTnd doch kennen sie den Weg zu uns, wir aber kennen nicht den Weg zu ihnen. Wir suchten einmal nach Jerusalem zu gelangen, fanden aber nicht den Weg dorthin. Sicher ist, dass nicht nur dieser Josef tot ist, sondern dass es überhaupt keine Juden mehr gibt und dass wir die einzigen Reste derselben darstellen.'4 Den Namen Falaschas haben ihnen die umwohnenden Völker beigelegt und bedeutet derselbe „verbannte, ausgewanderte'*, also keine Ureinwohner. Sie werden auch „Kailas" genannt, was „nicht überschreiten" (einen Fluss am Sabbath) bedeutet. Die Falaschas wohnen zerstreut in ganz Abessinien, hauptsächlich aber in Amhara. Alle verstehen das Amharische, als Umgangssprache dienen aber die den verschiedenen Provinzen eigentümlichen Idiome. Das Hebräische ist ihnen absolut unbekannt. Obgleich die Falaschas die talmudischen Gesetze nicht kennen, besitzen sie doch einige rabbinische Ueberlieferungen. Sehr viel Wert legen sie auf die Bildung ihrer Kinder, die von den Debteras (Gebildete) im Bibellesen in der Gheez-Sprache und von den Kakens (Priester) in den Gebeten und Hymnen unterrichtet werden. Ihre Synagogen heissen Mesghid. Sie versammeln sich aber auch in Privathäusern oder sogar im Freien, so am rnyi2&* ailf einer Anhöhe zur Erinnerung an die Thöra-Verkündigung am Berge Sinai. Der Sabbat wird streng beobachtet, Sie haben dieselben Feiertage wie wir, ausser PID "UP! un(i D^IIS- Nur fallen bei ihnen die Feiertage etwa zwei Tage früher, da sie ihre Monate immer vom Neumond rechnen. Sie kennen die Fasten zur Erinnerung an die Tempelzerstörung, nur sind bei ihnen seltsamerweise der 9. Tamus und der 17. Ab die entsprechenden Trauertage.

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