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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 4 (1906) · p. Seite 152

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
4 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 152 (sequence 32)
Language
German
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— 152 — wie gebratene Fische vorbereitet hat, wobei nicht weniger auf die Mannigfaltigkeit als auf die Quantität der Speisen gesehen wird. Jeder von den Anwesenden spricht der Reihe nach seinen Segenspruch über eine neue Art und alle übrigen kosten davon. Bei der Rückkehr von einem Begräbnisse reicht man den Trauergästen gestossene Kaffeebohnen, die man löffelweise verzehrt, Früchte, Rosenwasser, woran man riecht, und Tee, worüber immer der entsprechende Segenspruch laut hergesagt wird. Zu demselben Zwecke stellt man (die Winterszeit ausgenommen) an Sabbat- und Feiertagen in Synagogen und Häusern Blumensträusse auf. Dasselbe geschieht bei Kiddusch und Hawdalah. Der Fasttag des 9. Ab ruft eine grosse Trauer hervor. Abends nach dem Lesen der meist in persischer Sprache verfassten „Selichot" spricht der Moliah oder Hasan einige Worte über die Tempelzerstörung und fügt hinzu: „Heute sind so und so viel Jahre seit der Tempelzerstörung verflossen," worauf alle niederfallen und sich laut klagend das Gesicht mit vom Erdboden aufgerafftem Staube bestreuen. An diesem Tage entfernt man die Teppiche aus den Synagogen und die Betenden sitzen auf dem blossen Erd- oder Steinboden. Während des Morgengebetes werden Spenden für die Armen gesammelt. In den ersten Tagen des Monates Ab wird ein Erlösungsopfer, Kaparah, von denen geschlachtet, die während einer Krankheit oder eines Unglückes ein solches gelobt haben. Sonst wird die Kaparah wie gewöhnlich am Vorabende des Jom-Kippur, oder von einigen am Vorabende des Roseh-Haschanah geschlachtet. Uebrigens wird jedes geschlachtete Tier als Sühnopfer für die betreffende Person gerechnet, und die bei der Schecliitah wenn auch nur zufällig Anwesenden sagen das Gebet THM Hi. Dabei bestreicht man sich und besonders den Kindern die Stirne mit dem Blute des Opfers. Der Kuss spielt in den Gebräuchen der persischen Juden eine wichtige Rolle. Bei dem Eintritt in die Synagoge und bei dem Aussprechen des üblichen Segenspruches fährt man mit der Hand über das Gesicht von der Stirn bis zum Barte und küsst sie dann. Dasselbe tut man bei dem Lesen des „Schema". Der zum Thoralesen aufgerufene und der Kohen, der den Segen gesprochen hat, berühren, auf ihre Plätze zurückkehrend, die Gemeindemitglieder mit einem Talithzipfel, wobei der Berührte sie mit beiden Händen anrührt, worauf beide ihre eigenen Hände küssen. Man küsst die Gebetbücher vor und nach dem Gebete, die Phylakterien, die Thora, die Mesusah u. dergl. Die Kohanim sprechen ihren Segen bei jedem Morgen- und Mussaphgebete. Das Abendgebet wird sogar am Vorabend des Sabbats oder anderer Feiertage vom Vorbeter ohne Talith ver-

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