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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 4 (1906) · p. Seite 151

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
4 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 151 (sequence 31)
Language
German
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— 151 — Der Sabbat wird wie bei den Juden aller anderen Länder gefeiert, jedoch gestattet man sieh, weil.Teheran von einem Wall und Graben umgeben ist, im Tragen verschiedener Kleinigkeiten u. dergl. einige Freiheiten. Die Sabbatfeier beginnt Freitag abends viel später als bei den westlichen Juden, und dasselbe kann überhaupt von allen Feiertagen gesagt werden. Sogar am Vorabende des Roseh-Haschanah herrscht im Judenviertel bei Sonnenuntergang noch volles Werktagstreiben. Als Störung der Sabbatruhe wird von einigen nur das Reiten angesehen, an dem Fahren in der Tramway oder in einem Fiaker nimmt man keinen Anstoss. Im allgemeinen wird das Passahfest nach demselben Ritual wie bei den westlichen Juden gefeiert. Die Mazzah, ziemlich dick und rund, wird mit Beimischung von Erbsenmehl gebacken. Für den „Afikomen" wird eine besondere, nicht grosse, aber sehr dicke und harte Mazzah gebacken. Hülsenfrüchte und insbesondere Reis sind erlaubt. Tee trinkt man mit Rosinen und Datteln. Zum Abendmahl während der ersten Abende des Passahfestes bereitet man als Passahopfer Geflügel, nicht selten aber auch ein ganzes Lamm. Das Lesen der Hagadah beginnt mit den Worten yni) t&Hp, die bekanntlich bei uns nicht gelesen werden, sondern sozusagen nur als Programm dienen. Während des Lesens des Stückes, dessen Verse mit dem Worte WH endigen, bewehren sich alle Anwesenden mit jungen Zwiebelstengeln, mit denen sie einander scherzend schlagen. Das bei uns übliche Abgiessen des Weins an gewissen Stellen ist hier unbekannt. Ueberhaupt wird während dieser Abende viel getrunken, gesungen und gescherzt. Das Hagadahlesen geschieht langsam, mit Unterbrechungen, während deren man Wasserpfeifen raucht und an Blumen, Orangen und anderen Früchten. Rosenwasser u. dergl. riecht. Das letztere geschieht speziell, um die Gelegenheit zu haben, den entsprechenden Segenspruch herzusagen. Nach Beendigung der Hagadah nimmt man irgend etwas auf die Schultern, einen Stab in die Hand, und begibt sich in das Haus des Nachbars, wobei sich folgender Dialog entwickelt: Auf das Anklopfen an die Tür fragt der Nachbar: Ki 3jst? (Wer ist dort?) Israel. As kiiäscha omadi? (Woher bist du gekommen?) As Misraim usw. in entsprechender Art. Die persischen Juden suchen gern. die Gelegenheit, so viel Segensprüche als möglich auszusprechen. So versammeln sich z. B. am Vorabend des 15. Schewat viele bei einem wohlhabenden Wirte, der die grösstmöglichste Anzahl von Baum- und Erdfrüchten (gebratene Weizenkörner, Erbsen, Kürbissamen), Getränken, Speisen,

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