Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
- Issue
- 4 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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— 145 — nur bei Juden und Gebern erhalten haben. Die hebräischen Namen werden ziemlich reiu ausgesprochen, nur einige von ihnen werden in der Umgangssprache auf muselmanische Art wiedergegeben, wie z. B.: anstatt Joseph Jussnf, anstatt Sehelomoh Sulejman, Dmul anstatt David, Ibrahim anstatt Abraham u. dergl. Andere Namen werden auch, analog wie in Europa, auf muselmanische Art dem Klange nach verändert, wie z. B. Mordechai in Murad, Ezechiel in Ak-Nasar. Familiennamen sind bei den Juden, wie auch bei den Persern, nicht üblich. Zur Unterscheidung setzt man dem Namen einen Beinamen hinzu, der auf die Beschäftigung oder die Herkunft hinweist, wie z. B.: Bessas, Tuchhändler; Ddlal, Vermittler; Antikfrusch, Antiquitätenhändler; Cheijat, Schneider; Isfahani aus Ispahan; Dardaschti, Schirassi, Kaschi. Den Namen des Vaters hinzuzufügen ist wenig gebräuchlich; es ist sogar bei den religiösen Zeremonien nicht obligatorisch. Dem Namen der Rabbiner, Schochtim und anderer gelehrter Personen setzt man das Wort „Mollah" vor. Die weniger gelehrten Personen nennt man Achum (Chacham). Personen, die in Jerusalem gewesen sind, nennt man wie die Mekkapilger Adschi. Personen mit einigen weltlichen Kenntnissen nennt man Mirsa, endlich werden wohlhabende und geehrte Bürger Aga genannt. Meistens aber gebraucht man sogar in der Ansprache nur den Namen ohne Titel oder andere Ehrenwörter. Den weiblichen Namen werden nie Ehrentitel hinzugefügt. Die Aussprache des Hebräischen bei den persischen Juden steht im ganzen der sephardischen nahe, es gibt aber auch einige Unterschiede. So wird 2* nicht als z% sondern als ss (fHN: aress) gelesen; n wird überhaupt nicht ausgesprochen (''tPcn: amischi)', 1 lautet fast immer wie u (min: tum) und nur selten wie o (QY?ttf: schalom). Es gibt keine bestimmten Regeln dafür und die Abweichungen werden durch Forderungen des Wohlklanges (guseh michat — das Ohr verlangt) erklärt. Bemerkenswert ist die Aussprache des Buchstaben p, die zwischen g und k, jedoch näher an g liegt. Die persischen Juden schreiben hebräisch und persisch mit hebräischen Buchstaben, wobei die Quadrats ehrift nur bei dem Schreiben der Thorarollen u. dergl. gebraucht wird, für alles Profane wird die rabbinische Schrift gebraucht, wobei die Buchstaben nicht miteinander verbunden werden. Die bei den europäischen Juden übliche Kursivschrift ist den persischen Juden unbekannt. Wichtige Dokumente, wie z. B. die Kethubba* werden auf gutem chinesischen Papier geschrieben, wobei die Ränder durch Aufleimen bunten Papiers und der Text selbst durch bunte Zeichnungen und Arabesken, manchmal in Gold, verziert werden.