Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
- Issue
- 4 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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— 144 — Die Juden unterliegen auch jetzt noch vielen Ausnahmsgesetzen, obgleich diese nur auf dem Gewohnheitsrechte begründet sind; so erscheint der Jude nie zu Pferde in der Stadt; die Juden, deren Tuchhandlungen im Viertel oder in den umliegenden Strassen sich befinden, können ihre Stoffe nur ellenweise, diejenigen aber, die ihre Läden im Karavan-Serail haben, nur in ganzen Stücken verkaufen u. dergl. Die Juden sind gezwungen, zu gehorchen, denn sonst wird der Schuldige geschlagen, und im Falle seiner Verhaftung kostet die Befreiung sehr viel Geld. Die persischen oder wenigstens die Teheraner Juden haben keinen tiefen religiösen Sinn, und bei der völligen Abwesenheit des Nationalgefühls vergrössert jedes Ereignis, wie z. ß. die häufigen Judenverfolgungen und sogar die Forderung des Zeichentragens auf dem Kleide, die Zahl der Abtrünnigen. Obgleich Fälle gewaltsamer Bekehrung, in Teheran wenigstens, jetzt unbekannt sind, sind doch Fälle der sozusagen halb gezwungenen BekehriiDg nicht selten. Besonders oft geschieht dies bei Musikanten und Sängern. Wenn einer von ihnen einer hochgestellten Person gefällt, so wird er zurückbehalten und schliesslich zum Islam bekehrt. Keine Seltenheit sind auch Fälle, wo Juden aus Furcht vor Strafe oder um eine Erbschaft zu erlangen, zum Islam übertreten. Von den christlichen Konfessionen hat bei den Juden der Protestantismus einigen Erfolg gehabt. Jetzt zählt man etwa 150 Juden-Protestanten. Die meisten wurden durch die völlige Abwesenheit des Zeremoniells, sowie durch die Möglichkeit, die jüdischen Speisen- und Sabbatgesetze zu umgehen, angelockt. Von den Hauptunterschieden zwischen Judentum und Christentum haben sie keinen Begriff. Wie die Armenier und Chaldäer, die zum Protestantismus oder Katholizismus übertreten, dennoch zu den Armeniern und Chaldäern gezählt werden, so werden auch die zum Protestantismus bekehrten Juden zu den Juden gerechnet; sie wohnen im jüdischen Viertel, besuchen am Jom-Kippur die Synagoge und einige von ihnen essen sogar leoscher. Die bei den persischen Juden üblichen Namen kann man, wie die der europäischen, in zwei Kategorien teilen: 1) die biblischen und talmudischen Namen und 2) diejenigen, die sie den Völkern, unter denen sie wohnten, entlehnt haben. Es gibt bei den persischen Juden viele Namen arabischer und iranischer Herkunft, wie weibliche, so auch männliche. Bemerkenswert ist es dabei, dass die männlichen Namen arabischer Herkunft dieselben sind, die auch bei den Persern üblich sind, während die weiblichen, obgleich arabischer Herkunft, von den Persern nicht gebraucht werden. Unter den persischen Namen gibt es viele altertümliche, die die Perser nicht mehr gebrauchen und die sich