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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 4 (1906) · p. Seite 142

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
4 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 142 (sequence 22)
Language
German
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— 142 — auch andere Beschäftigungen, sie schreiben Mesusas und Phylakterien, handeln mit Büchern, sind Siegelstecher u. dergl. Noch vor einigen Jahren hatte das jüdische Viertel, wie auch alle übrigen Stadtviertel, seinen Aeltesten Ketschuda, hebräisch Nassi. Es war ein rein polizeiliches Amt, das in anderen Städten noch Ms jetzt existiert. Trotz der Menge der Armen und Bettler im Viertel und trotzdem, dass jeder Teheraner Jude der Wohltätigkeit viel opfern muss, existieren bei ihnen keine Wohltätigkeitsvereine und keine Chevra, die bei den westlichen Juden sogar in den abgelegensten Gegenden so üblich sind. Alle Versuche der Lehrer der Alliance-Schule, Wohltätigkeitsvereine unter den persischen Juden zu gründen, scheiterten an ihrem Indifferentismus, ihrem Geize und hauptsächlich an dem maugelnden Verständnis dafür, Gelder für künftige Bedürfnisse zu sammeln. Der Friedhof hat die Form eines unregelmässigen Vierecks und ist von einer hohen Lehmmauer umgeben. Die Gräber werden ohne Ordnung gegraben. Grabsteine gibt es fast gar nicht. Ueber jedem Grabe erhebt sich ein Steinhaufen, und man muss sich wundern, wie die Juden und besonders die Jüdinnen die Gräber ihrer Anverwandten finden. Bis zur Eröffnung der Alliance-Schule wurde der Unterricht der Kinder bei den Teheraner Juden auf primitive Art erteilt. Einige Kinder lernten in der Talmud-Thora, einige wurden zu Hause durch Mollahs, die Mehrzahl aber in den Schulen der Mollahs unterrichtet. Solche Schulen existieren noch jetzt und das Unterrichtsgeld schwankt zwischen einem bis zwei Kran wöchentlich. Die Kinder wurden hauptsächlich im Lesen und Schreiben des Hebräischen und Persischen und zwar des letzteren in hebräischen Buchstaben unterrichtet. Auch wurden ihnen die Gebete, seltener die Bibel und noch seltener „Raschi" beigebracht. Mit dem Talmudstudium beschäftigen sich nur die Rabbiner. Die Kenntnis der jüdischen Literatur ist bei den persischen Juden überhaupt nicht sehr verbreitet. Während der letzten Jahrzehnte hat das Leben die persischen Juden die Notwendigkeit gelehrt, ausser dem Hebräischen noch andere Kenntnisse zu erwerben. Viele fingen bei den Mollahs die persische Sprache zu erlernen an, die mutigeren traten in die Schule der amerikanischen protestantischen Missionäre ein. Es gab einzelne Versuche, in die polytechnische Staatsschule einzutreten, wo die Schüler ausser dem unentgeltlichen Unterricht noch Kost und Kleidung bekommen. Die Regierung hinderte die Juden darin nicht, aber nach einiger Zeit waren sie durch das feindselige Benehmen der übrigen Schüler zum Austritt genötigt. Die

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