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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 4 (1906) · p. Seite 141

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
4 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 141 (sequence 21)
Language
German
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— 141 - eines neuen Zentrums in Amerika. Das, was wir Nationalgefühl nennen, fehlt ihnen gänzlich. Unter dem Worte „Israel" verstehen die persischen Juden nur die jüdische Religion. Die Auffassung des Judentums als einer Nationalität ist ihnen fremd. Weder in der Gemeinde noch in den einzelnen Synagogen existieren irgendwelche Aufzeichnungen, aus denen man sich wenigstens eine oberflächliche Vorstellung über das Leben der Gemeinde bilden könnte. Ich vermute, dass sich die Sache in anderen älteren Gemeinden, wie z. B. Ispahan, anders verhält. Die Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten befindet sich in den Händen eines aus mehreren Personen bestehenden Ausschusses. Die Mitglieder dieses Ausschusses werden nicht gewählt und üben ihren Einfluss nur kraft ihres Ansehens oder ihres Reichtums aus. Persisch werden sie Tische ssefid, weisse Bärte, genannt. Der Kreis der Gemeindeangelegenheiten ist eng begrenzt, denn die Teheraner Juden haben weder ein Krankenhaus, noch ein Armenhaus öder ein Waisenasyl, und nur eine mitleidswerte Talmud-Thora. In der letzten Zeit gehörte in den Kreis der Gemeindeangelegenheiten: 1) die Verwaltung des Friedhofes, der erst vor kurzem mit einer Mauer eingehegt wurde, wozu eine besondere Sammlung veranstaltet worden war, 2) die Erhaltung der Talmud-Thora, 3) eine sehr geringe Beteiligung an den Ausgaben für die Schule der Alliance Israelite Universelle, und 4) die Verteilung der spezifisch-jüdischen Steuer Djezieh und anderer Steuern. Armenpflege gehört nicht in den Kreis der Gemeindepflichten, sondern wird einzelnen Personen und Synagogen überlassen. Die einzigen Quellen der Gemeindeeinkünfte sind: 1) der Pachtzins der der Gemeinde gehörenden Herberge, gegen 50 Tumans monatlich und 2) die Fleischsteuer, die von jedem Batman (etwa 7 Pfund) des geschlachteten Viehes durch die Schochtim eingehoben wird. In aussergewöhnlichen Fällen werden noch Sammlungen in den Synagogen veranstaltet. Die Höhe dieser Einkünfte ist sehr schwankend, da die Besteuerung des Fleisches von der Höhe des Geldbedarfes abhängig ist. Gegenwärtig werden 3 Schai von jedem Batman gezahlt. Der Rabbiner erscheint als offizieller Vertreter der Gemeinde, auch ist er der Oberschochet. Die Regierung erkennt nur ihn als Vertreter der ganzen jüdischen Bevölkerung an, von der er auch die Steuer Djezieh einhebt. Der Rabbiner bekommt einen gewissen Betrag von jedem Stück geschlachteten Viehes und ausserdem die Eingeweide. Darin, sowie in dem Honorar für Trauungen, Beschneidungen, Ehescheidungen u. dergl. bestehen seine Einkünfte. Das Geflügel schlachten auch andere Schochtim und bekommen gewöhnlich für jedes Stück grossen Geflügels oder für je zwei kleinere einen Schai. Ausserdem haben die Schochtim

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