Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
- Issue
- 4 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- 130 — Kupferschmiede wenden, die zu diesem Zwecke zweimal jährlich, vor Ostern und vor den Herbstfeiertagen, mit tragbaren Schmiedeherden in das Judenviertel kommen. Der erste Direktor der Schule, Herr Gases, beschloss deshalb, einige jüdische Knaben zu einem Kupferschmiede in die Lehre zu geben, was ihm auch gelang. Ausserdem veranlasste er einen persischen Mützenmacher, sich an der Grenze des Viertels zur Ausbildung jüdischer Kinder in seinem Handwerk sesshaft zu machen, und jetzt gibt es unter den jüdischen Jünglingen schon mehrere Vertreter dieses Handwerks. Als die ihrem Vermögen nach hervorragendste Gruppe der Handwerker erscheinen die Juweliere, die sogar als reich gelten. Dieses Handwerk ist eins von den wenigen, das die Juden von jeher getrieben haben, und worin sie immer als geschickte Meister galten. Zu den Goldschmieden gehören auch die wenigen an der Münze angestellten Juden. In diesem Fache wurden die Kenntnisse der Juden immer geschätzt, da sie die Probe zu bestimmen und die Legierungen zusammenzusetzen verstehen. Eine grosse Zahl der Juden beschäftigt sich mit der Bereitung und dem Verkauf von Wein und Branntwein. Obgleich der Koran den Muhammedanern den Genuss geistiger Getränke verbietet, so haben die Perser diese Vorschrift doch niemals streng befolgt. Alle Perser, sogar die Geistlichen, trinken, und zwar sehr viel; aber aus Furcht vor Strafe bereiten sie die Getränke nie selbst und überlassen das den Juden und Christen Diese Beschäftigung ist sehr einträglich, und einige haben sich dadurch ein Vermögen erworben, aber sie zieht auch der ganzen jüdischen Bevölkerung den Hass der heuchlerischen und fanatischen Geistlichkeit zu. Die letzte Judenhetze (1901) war die Folge der Aufreizung des Pöbels durch die fanatischen Mollahs, die gegen den Branntwein und seine jüdischen und armenischen Verkäufer predigten. Es gibt auch viele Händler unter den Teheraner Juden. Sie verkaufen wegen der religiösen Bedenken der Perser keine Esswaren, dagegen gibt es unter ihnen viele Tuch-, Galanteriewaren-, Teppich- und Antiquitätenhändler. Zu dieser Handelskategorie gehören auch die sogenannten Dalalen (Vermittler), die weniger für ihre eigene Rechnung handeln, sondern nur den Käufern Teppiche, Antiquitäten, Bijouterien, Stickereien u. dergl. zur Auswahl nach Hause bringen. Gewöhnlich handeln sie ausschliesslich mit Europäern, und ein jüdischer Dalal auf seinem mit Teppichen und anderen Waren beladenen Esel ist im europäischen Viertel eine gewöhnliche Erscheinung. Ein Teil der Tuchhändler treibt den Hausierhandel teils in Teheran selbst, teils in den umliegenden Dörfern. Diese Beschäftigung ist sehr schwer und nicht ohne