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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 4 (1906) · p. Seite 129

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
4 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 129 (sequence 9)
Language
German
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— 129 — nur die Bekanntschaft mit den in Teheran weilenden „Aschkenasim", sondern auch die häufigen Eeisen in Handelsangelegenheiten nach Russland, nach West-Europa und besonders nach Palästina beigetragen haben. Die Palästina-Pilger, wie bei den Muhammedanern adschi genannt, erzählen von der Frömmigkeit und Gelehrsamkeit der palästinischen Aschkenasim und verbreiten die Meinung, dass die Thora nur bei den Aschkenasim in Ehren sei, und dass der Messias nur um ihrer Frömmigkeit willen kommen werde. Der Teheraner Jude ist meistens ein Proletarier im wahrsten Sinne dieses Wortes, der kein Hab und Gut und keine bestimmte Beschäftigung hat. Sogar die unter den Juden der Türkei so verbreitete schwere Arbeit eines Lastfrägers können sie nur im Viertel selbt oder im Auftrage der Juden ausüben, da die fanatischen Perser den Juden sogar diese Arbeit nicht gönnen. Sobald der Jude einige Kran erworben hat, beschäftigt er sich mit dem Auf- und Wiederverkauf alter Kleider, Decken, Flaschen u. dergl., aber dieser Verdienst ist auch unsicher und sehr kärglich. Die Unsicherheit des Verdienstes macht den Juden dieser Kategorie überaus leichtsinnig: hat er einen Kran verdient, so verzehrt er einen, hat er zweiv erdient, so verzehrt er zwei, und wenn er drei verdient hat, so verzehrt er die Hälfte, sucht den anderen Tag keine Arbeit mehr und raucht gemütlich seine Wasserpfeife. Es gibt sehr wenig Handwerker unter den Juden, was sich dadurch erklärt, dass die jüdischen Handwerker infolge des nadjes fast nur auf jüdische Kunden rechnen können. Die meisten jüdischen Handwerker sind Schneider, von denen viele auch persische Kunden haben; einige haben sogar ihre Werkstätten im Bazar. Dann folgen die Schuhmacher und Maurer, die ihr Handwerk meist sehr schlecht verstehen und ausschliesslich im Viertel arbeiten. In der neuesten* Zeit beginnt sich bei den Teheraner Juden eine höhere Wertschätzung des Handwerks gegenüber dem Handel Bahn zu brechen. Der grösste Teil der jetzigen jüdischen Handwerker hat das Handwerk bei den armenischen Meistern erlernt, da die Perser auch jetzt noch keine jüdischen Lehrlinge aufnehmen. Dank der Alliance-Schule oder vielmehr der Mühe ihrer Direktoren vergrössert sich mit jedem Jahre die Zahl der jüdischen Jünglinge, die irgend ein Handwerk erlernen. In der letzten Zeit sind einige Knaben in eine Buchdruckerei und einige in die Werkstatt der Tramway in die Lehre gegeben worden. Bis zur letzten Zeit fehlten unter den Juden Kupferschmiede, die in jeder persischen Stadt in grosser Zahl vorhanden sind, da es im Orient Sitte ist, nur Kupfergerät zu gebrauchen. Die Juden müssen zum Zwecke der Verzinnung und Ausbesserung sich an die persischen

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