Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
- Issue
- 4 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 128 — Persische mit Beimengung einiger hebräischer Wörter, wie z. B.: der Wein wird durch das Wort jajin anstatt des persischen schar ab bezeichnet, der Feiertag: moad anstatt ejd, Samstag: Schabbat anstatt Schambe. Der Muhammedaner wird immer durch das Wort Golm bezeichnet, Jude durch Israel anstatt djuhud oder jahudi usw. Bemerkenswert ist es, dass in der Sprache der Juden sich solche altpersische und arabische Wörter erhalten haben, die die Perser selbst längst nicht mehr gebrauchen, wie z. B.: Freitag Adineh anstatt des in der heutigen persischen Sprache üblichen Djomeh. Als Begrüssung dient das gewöhnliche hebräische Schalom alejchem oder einfach Schalom anstatt des bei Persern üblichen arabischen Salem aleiküm. Die Sabbatbegrüssung ist Schabbat Schalom und an Feiertagen sagt man Moadim Schalom. Natürlich werden auch die spezifisch jüdischen Wörter, wie Jcascher, tref, Galuta (Goluth) usw. gebraucht. Das Wort Galata hat bei den persischen Juden einen konkreten Sinn, so sagen sie z. B.: in Schiras gibt es viel Galuta, oder in Persien war früher mehr Galuta als jetzt. Im Gespräch mit Nicht]uden werden selbstverständlich solche Wörter nicht gebraucht. Viele sprechen ganz gut hebräisch und fast alle sind der Türksprache mächtig, die im nordwestlichen Persien und bei vielen Nomaden als Umgangssprache dient. In der letzten Zeit ist es keine Seltenheit mehr, auch englisch und besonders französisch sprechenden Juden zu begegnen. Fast die ganze jüdische Bevölkerung von Teheran besteht aus persischen Juden. Diese sind Auswanderer aus den südlichen Städten Schiras, Ispahan, Kaschan, wo schon unter Cyrus blühende und reiche jüdische Gemeinden existierten. Unter ihnen nehmen die Auswanderer aus Kaschan, die Kaschani oder Kaschi, eine Sonderstellung ein. Sie sprechen einen besonderen Jargon, der sich aus dem lokalen Kaschandialekt gebildet hat, viele arabische, türkische und hebräische Wörter enthält und von den Persern nicht verstanden wird. Alle übrigen persischen Juden, gleichviel woher auch ihre Ahnen nach Teheran eingewandert sind, tragen den gemeinschaftlichen Namen Teherani. Die Kaschi halten sich für Aristokraten und verehelichen sich nur ungern mit den Teherani. Die persischen Juden halten sich für „Sephardim" und alle europäischen Juden für „Aschkenasim". Sie glauben, dass die „Sephardim" vom Stamme Jekuda, und die „Aschkenasim" von Benjamin herstammen. Da sie während vieler Jahrhunderte keinen Verkehr mit den „Aschkenasim" gehabt haben, so hegen sie gegen die letzteren ein gewisses Vorurteil, und es zirkuliert unter ihnen eine Legende, dass der hohe Priester Sacharias von den „Aschkenasim" getötet worden sei. Jetzt aber bessert sich die Meinung über die „Aschkenasim" immer mehr, wozu nicht