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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 4 (1906) · p. Seite 127

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
4 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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— 127 — zu billigen Preisen an den Mann zu bringen suchen. Die übliche Nahrung besteht aus Brot in Form dünner Blätter, saurer Milch, Schafkäse, Gemüse und Eeis, Suppen aus Gemüse, Essig und saurer Milch, selten mit Fleisch. Brot wird von persischen Bäckereien geliefert. Es gibt keine jüdischen Bäcker, da die Herstellung des Brotes dem Juden teurer als dem Perser zu stehen kommt, was sich dadurch erklärt, dass der Jude nur jüdische Arbeiter zu halten gezwungen ist, nur auf jüdische Käufer angewiesen ist und nur sechs Tage in der Woche arbeiten darf. Kühe gibt es im jüdischen Viertel nicht und überhaupt werden alle Milchprodukte bei Persern gekauft. Gewöhnlich werden Hammel geschlachtet, grosses Hornvieh nur in der Zeit von Chanuka bis Pessach, übrigens ist das hiesige Hammelfleisch besser als das Rindfleisch; Schafe werden sehr selten geschlachtet. Alle Speisen werden nach den persischen Begriffen in zwei Gruppen: „heisse" und „kalte" eingeteilt, je nach den Krankheiten, die sie hervorrufen sollen: Schaffleisch ist ,,kalt", Hammelfleisch aber „heiss14. Man meidet deshalb Schaffleisch, weil es schwere „kalte" Schädigungen hervorrufen soll, besonders bei stillenden Frauen und bei Kindern. Der Fettschwanz des Hammels liefert Fett, das einzige, das die persischen Juden bei der Zubereitung der Speisen gebrauchen, denn Gänse- und Hühnerfett ist ihnen völlig unbekannt. Gänse gibt es überhaupt in Teheran nicht, und Hühner und Truthühner werden nie gefüttert, sondern erforderlichenfalls gekauft. Uebrigens wird meistenteils bei der Zubereitung der Speisen Pflanzenöl gebraucht. Die Juden haben keinen eigenen Schlachthof und die Perser erlauben es ihnen nicht, den städtischen Schlachthof zu benutzen, weil ihn die „Ungläubigen" verunreinigen könnten. Vieh und Geflügel wird im Viertel entweder auf der Strasse, im Synagogenhofe oder auf dem obengenannten Platze geschlachtet. Die Schlachthofsteuer bildet ein Einkommen des Gouverneurs, weshalb die Regierung, um ihre Einkünfte zu erhöhen, wiederholt den Versuch machte, die Juden zu zwingen, sich des Schlachthofes zu bedienen, natürlich gesondert von den Persern. Diese Versuche waren jedoch erfolglos, denn das jüdische Fleisch, das auf Pferde und Esel geladen und vom Schlachthofe durch die Strassen und Bazare geführt wurde, wurde mit Kot und Steinen beworfen, so dass die Juden vom Genüsse des Fleisches Abstand nehmen mussten. Es musste deshalb alles beim alten bleiben, jedoch wurden die Juden mit einer bestimmten Summe zugunsten des Gouverneurs besteuert. Die Juden essen wie die Perser ausschliesslich mit den Händen aus gemeinsamen Schüsseln. Als Umgangssprache dient den persischen Juden das

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