Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
- Issue
- 4 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 124 — Mietpreise entsprechen. Beim Verlassen der Wohnung wird die Summe vom Hausbesitzer zurückgegeben. Die Häuser werden ohne Fenster zur Strasse gebaut. Durch ein niedriges Pförtchen tritt man in einen gedeckten Gang, der in den Hof führt. In der Mitte des Hofes befindet sich ein Wasserbehälter mit Goldfischen. Die Zimmer sind rings um den Hof gelegen und nur selten miteinander verbunden, so dass man aus einem Zimmer ins andere nur durch den Hof gelangen kann. Unter jedem Zimmer befindet sich ein entsprechendes im Souterrain, in diesem liegen Küche, Vorratskammer, Sommerwohnung usw., auch das Reservoir zur Aufbewahrung des Wassers. Alle jüdischen Häuser setzen durch ihren Schmutz und ihre Unsauberkeit in Erstaunen. Sie werden nur sehr selten ausgebessert. Die Fussböden in den Zimmern werden selten und die Wände noch seltener abgefegt und sogar in den besten Häusern ist es keine Seltenheit, Spinnengewebe unter der Zimmerdecke zu sehen. Die Fussböden der Zimmer sind mit Teppichen belegt, die ihre einzige Einrichtung bilden; auf ihnen wird gesessen, gegessen und geschlafen; nur selten wird das Mittagsessen auf ein niedriges Tischchen gestellt, um welches sich die ganze Familie niederlässt. Nur in den letzten Jahren, seit der Eröffnung der Schule der Alliance Israelite sind Stühle gebräuchlich geworden, seltener auch kleine Tischchen. Auffallend ist bei den persischen Juden ihre Vorliebe für Pflanzen, besonders für Blumen. Bäumen begegnet man selten in den Höfen, da diese ohne Bewässerimg nicht gedeihen und das Wasser in Teheran teuer ist. In einigen Häusern werden jedoch sogar Zitronen- und Orangenbäume mit Erfolg gezogen, obgleich sie auf dem Hochplateau von Iran besondere Fürsorge erfordern. Im Frühling wird in jedem Hofe ein Blumenbeet mit einjährigen Blumen angelegt; in manchen Höfen sieht man Rosensträuche, gelbe Akazien, Schwertlilien und zu Ostern werden im Wasser aus Zwiebeln Narzissen und seltener Hyazinthen gezogen. Es gibt keine Oefen in den Häusern. Das gewöhnliche Mittel zur Beheizung ist der Mangall d. h. ein Kohlenbecken. Die jüdische Bevölkerung von Teheran leidet unter dem Mangel an Wasser, insbesondere an gutem Wasser. Infolgedessen gibt es für das ganze Viertel nur zwei Badeaustalten mit den traditionell-rituellen Milcwaotli, wobei, wie es im Osten üblich ist, keine besonderen Badeanstalten für Männer und Frauen existieren, sondern eine und dieselbe dient an bestimmten Tagen für Männer und an anderen für Frauen. Der Schmutz und Unrat auf den Strassen und in den Höfen,