Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
- Issue
- 2 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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— 83 — Judentum erhalten bleiben und wir eher mit einem Verlust als mit einem Gewinn zu rechnen haben. Die Mischehen können nur dann dem jüdischen Volke nutzbringend sein, wenn sie mit nationalem Bewusstsein Hand in Hand gehen. Dass durch das Ammenwesen, also ohne direkte Rassenmisehung, eine Annäherung an andere Rassen erfolgen kann, was dem Verfasser zweifellos scheint, möchte der Referent doch bezweifeln (S. 23 und 57). Auch scheint es mir gewagt, die Langlebigkeit der Juden durch scharfe Ausmerzung der weniger Widerstandsfähigen während der langen Leidenszeit des jüdischen Volkes erklären zu wollen, da dafür plausiblere Gründe vorhanden sind, wie Enthaltung in Baccho et Venere, obligate Fleischschau, Kinder- und Elternliebe. Das, soweit es der Gegenstand 'erlaubt, gemeinverständlich geschriebene Büchlein ist allen gebildeten Juden bestens zu empfehlen. Sie werden darin, wie in einem Spiegel, die guten und Schattenseiten ihrer Rasse abgebildet finden, was manchen von ihnen von Nutzen sein wird. Wollen wir hoffen, dass die zweite, bedeutend erweiterte Auflage des vortrefflichen Büchleins nicht lange auf sich warten lassen wird. Der Preis des Buches ist ein sehr mässiger. Zeitschriftenschau von Dr. S. Weissentoerg, Elisabethgrad. 1. ß. F. Eaindl. Die Juden in der Bukowina. Globus, B. 80, 1901. S. 133—137. Nach einigen geschichtlichen Angaben kurze Schilderung der Sprache, der Kinderjahre, der Heiratsbräuche und der Tätigkeit der Eabbiner. Zwei Abbildungen Bukowinaer Juden. Der Artikel ist von Unrichtigkeiten, die bei einem Nicht)uden verzeihlich sind, nicht ganz frei. 2. Adolf Struck. Die verborgenjüdische Sekte der Dönme in Salonik. Globus, B. 81, 1902. S. 219-224. Etwa ein Drittel des Artikels ist der Entstehung der Sekte gewidmet, er zeugt leider von einem absoluten Mangel an Bekanntschaft mit den historischen Quellen. Auch der übrige Teil bringt sehr wenig Neues. Die Dönme teilen sich in drei Gemeinden ein, deren jede einen besonderen Namen führt. Die drei Gemeinden sind streng voneinander geschieden und getrennt organisiert, sie meiden sich nach Tunlichkeit. Vielleicht weichen die Gemeinden rituell voneinander ab, das hauptsächlichste Unterscheidungsmerkmal ist aber die soziale Lage ihrer Mitglieder. So bilden die Konioso das gemeine Volk der Sekte, während die Kavajero, wie schon ihr Name „Ritter" besagt, die Aristokraten und die Jakobiten die