Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
- Issue
- 2 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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— 74 — VIII. Litwak Zejlemkop. A Litwak if fach amol gegangn schmadn1), if er zugegangn zum Klejster2), if der Klejster gewejn zugemacht, hot er genumen a klejnem Tilemel3) un hot fach gefezt fogn Tilim3) of di Stejner vun Klejster. If durchgegangn4) a rusischer Id, ot er gefejn, wi der Jung wejnt iber'n Tilim, fregt im der Rusischer: „Du narescher Jung, hostu nischt kejn Besrnedresch5) zu fogn Tilim, wos darfste fizn lebn6) Klejster un fogn Tilim, jedwiderer7) fol doch lachn vun dir": Ot er em gefokt: „Oj du rusischer Lamedwownik8), varstejstu mir, ich hob Eltern, un fej wiln mir nischt gebn kejn Esn un kejn Trinkn. Hob ich fach barechnt, af ich muf fach gejn schmadn, bin ich zugekumen zum Klejster, i der Klejster gewejn zugemacht, nor Idn hobn fort9) a idesche Harz in fich: Sizn lejdik10) if nischt kedaju) un zu wartn af'n Galach biskel wanet12) er wet efenen dem Bejs-akwores13), hob ich derwajle genumen fogn Tilim, ich fol bei Nacht nischt hobn kejn Cholem14). (Gouv. Kowno.) Anmerkungen. l) taufen. 2) Kloster, Kirche. 3) Tilim: Psalmen, Tilemel: Psalter 4) vorbeigegangen. 5) Bethaus. 6) neben. 7) jedweder. 8) ironisch: Einer der 36 Frommen, die stets, von den Menschen nicht erkannt, auf Erden vorhanden sind. 9) doch. 10) müssig. n) lohnt sich nicht. 12) bis (wann). 13) Friedhof, verhüllender Ausdruck statt: Kirche. 14) Traum. Litwak Zejlemkop werden die litauischen Juden von den polnischen geneckt, die ihnen geringe Glaubenstreue nachsagen. In demselben Sinne sagt man auch sprichwörtlich: A Litwak hot a Zejlem (Kreuz) in Kop. Wander Sprw. Lex. III, 200, 1. Aehnliche Anekdoten erzählt man sich auch in Oesterreich. So die von dem Juden, der im Winter frierend vor dem geschlossenen Tore eines Prager Klosters steht. „Was machst du hier?" „Ich will mich schmaden". „Warum klopfst du denn nicht an?" „Es ist ja Schabbes, da darf man ja nicht klopfen!" — Aus der Zeit eines Olmützer Erzbischofs, der jeden übertretenden Juden mit einem Patengeld von drei Dukaten zu beschenken pflegte: Ein Jude begegnet einem andern, der nach Olmütz fährt. „Was willst du dort?" „Schmaden". „Was fällt dir ein?" „Ja, ich kann mir nicht anders helfen, in acht Tagen ist Pessach und ich habe noch kein Geld auf Mazzos". Wiener Jahrb. f. Israeliten. 2. F. 3. Jahrg. 5628., S. 272. IX. Rischejn1) if a zwej Meiln vun Keim1); ot men gesehikt a Scholiach2) vun Rischejn in Keim mit a Brif um fumerdike3) Nacht, if er ongekumen in Keim ganz fri, wen men ot noch geschlofn. Ot er nit gewust wu4) areinzugejn, if er zurikgekumen kin5) Rischejn mit'n Brif un ot gelokt, af in Keim schloft men. Anmerkungen. *) Rossieny und Rielmy, Orte im Gouvernement Kowno. 2) Boten. 3j Sommer. 4) wo. 5) nach.