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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 2 (1906) · p. Seite 75

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
2 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 75 (sequence 19)
Language
German
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In einer galizischen Version dieses Schwankes wird der einfältige Bote aus einem Orte, wo alle Lichter ausgegangen sind, nach Pinczow geschickt, um Licht zu holen. Dort trifft er aber ein, als es schon zu tagen beginnt, und kehrt unverrichteter Sache mit den Worten zurück: si (es) tugt in Pintschiw. Bei Wander III, 1349 und im Hausfreund II 1126 wird diese sprichwörtlich gewordene Redensart (auch bei Blass 14) von Bernstein als Anspielung auf die von ihren Gegnern als Semijudaizantes bezeichnete Sekte der Antitrinitarier erklärt, die ihren Hauptsitz in Pinczow, dem „sarmatischen Athen" hatte. (Grätz IX, 487). Gegen diese allegorische Auslegung spricht jedoch, dass diese Redensart auch lautet: In Chelm tugt es. Mitteü. I, 49, 87. Chelm ist aber das Schiida der polnischen Juden, die Redensart also eher scherzhaft als ernst gemeint. Dass auch der Schauplatz, nach dem die vorliegende Anekdote verlegt wird: Keim an Chelm anklingt, ist wohl kein blosser Zufall. X. Kalwerijer Kalakotkes. Wi in Purim me ken nit lejnen die Megile vun di Geruder *) wos di Kinder machn mit di Kalakotkes2), ot men gemacht an Asife3), af men fol machn ejn Kalakotke a ganz gröjse, im der Schames fol im drejen, wen es et4) kumen zu Homen. Anmerkungen. Erklärung des den Bewohnern von Kalwarya (Gouv. Suwalki) beigelegten Spitznamens. l) Lärm. 2) Klapper, mit der die Kinder am Purim lärmen, so oft beim Vorlesen der Megillah der Name Hamans genannt wird. 3) Versammlung. 4) wird. XI. Me hot amol arojsgeganwet1) a Perene2) mit Federn. Obm fej fach gehaltn an Ejze3), wi afej men fol dos gefinen4). Sej obm genuinen merer5) Federn im obm arojsgeschikt in a Wint, al fej foln gefinen jene. Anmerkungen. l) entwendet, 2j Federbett. 8) Beratschlagung, 4) finden, 5) mehr, noch. Kinderspiele aus Rassland. Mitgeteilt von Leo Wiener, Cambridge (Boston). I. Genfelach. Ein Kind sitzt in der Mitte und gräbt eine Grube in den Boden. Die andern schreiten im Kreise herum, eins die Schösse des andern haltend. Voran geht der Gänserich, die übrigen sind die Gänse. Der Gänserich fragt: „Wos gröbste?" Antwort: „A Gribele". „Wos este (wirst du) ton af die Gribele?" „Aruflejgn a Fajeril" (Feuerlein). „Wos este ton afn Fajeril?" — „Ich wel arufsteln a Drajfisl."

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