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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 2 (1906) · p. Seite 65

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
2 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 65 (sequence 9)
Language
German
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— 65 — 538. Wenn nit die schwarze Lechele, wolt'n mir gegeingen in Gold bisk'n Knechele. (Wenn der (essende) Mund nicht wäre, würden wir im Golde waten, vgl. Gdyby nie pod nosem dziura, toby byla ztota, sköra. Adalb. 121, 5). 539. Er lejft wie vun a Srejfe (aus einer Feuersbrunst) [oder: wie a varsamte (vergiftete) Maus]. (Vgl. die vergiftete Ratte im Faust, Auerbachs Keller: „sie fahr herum» sie fuhr heraus . . ."). 540a. Ich well dir kejn Mol nit lejkenen un kejn Mol nit opgeb'n. b. Der ergster Zohler if der, wos lejkent kejn Mol nit un git kejn Mol nit op. (Der schlechteste Schuldner ist der, der die Schuld nicht ableugnet, aber doch nicht zahlt). 541. Er hot fich gekejft a Maftir. ' (Er hat sich eine Aufgabe aufgebürdet, der er nicht gewachsen ist). 542. Soll [oder: wollt] ich afej Mejre (Furcht) hob'n var ihm tejterhejt, wie ich hob var ihm Mejre lebedigerhejt. 543. Er if schejn ojsgewefn in Mihi un in Bod un in alt'n Hekdesch (Armenherberge). (Ein Mann mit bewegter Vergangenheit, der schon alles durchgemacht hat. Vgl. oben No. 500). 544. Mit fich [in Kejwer] nehmt [oder: git] men nit. (Man kann nichts mitnehmen, wenn man stirbt. Wander III, 680, 3). 545. Die Welt ift keilechdik (rund) un der Goles (das Exil) if leing: if dos a Mo sc hl (Gleichnis) zu a Kepl Kraut [oder zu: a Torbe Fleker (Sack mit Holzpflöcken)]. (Verspottung eines hinkenden Gleichnisses.) 546. A Narr if a Kaliker (Krüppel) af alle Glieder. 547. A Narr if erger wie a Rosche. 548. Er fucht dem nechtigen Tog. (Er sucht den gestrigen Tag. Wander IV, 955, 50. 57; 1016, 561. Wczorajszego dnia szuka. Adalb. 544, 13.) 549. Dem Orimmann if vun alle Seit'n gut (ironisch: schlecht). 550. Er weiss nit vun Orur Homon bis Boruch Mordechaj. Er ist bis zur Sinnlosigkeit betrunken, wie wenn er die hyperbolische Aufforderung des Talmud befolgt hätte, am Purim so viel zu trinken, bis man zwischen den Sätzen: „Verflucht sei Haman" und „Gesegnet sei Mordechar' nicht unterscheiden könne.) 551. Af mi redt avule, muf men fach ojsrejdn a Narrischkejt. (Hebr.: Marbe d'worim, marbe stuss. Mitt. X, 147. Wer viel spricht, dem entschlüpfen am Ende Dummheiten.) 552. Er if areingifall'n in die Rejd, wie a Maksym (Bauernname) in Borschtsch (Rübensuppe). (Er ist zur Unzeit in die Rede gefallen.) 553. Beit nit varnander dem Rendel. Wechsle den Dukaten (d. h. den Glauben) nicht!) 554. Wu er wet a Row fein, wet [oder*, mog] die 8tot brennen. (Vgl. Tendlau No. 671: Wo der Raw wird, schmadt sich die Kille.)

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