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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 1 (1906) · p. Seite 50

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
1 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 50 (sequence 55)
Language
German
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- 50 — Die Udke (die Angel) oder Der Stickele Brejt (das Stück lein Brot). I. Of a Teich, af dem Ort, wu die Wasser is tief. Mit a Netz konn men nit greichen (erreichen) die Deck (den Grund), Dort seh ich: a Feinger (Fänger, Angler) sitzt in a Schif Uu halta leingn Ruth (lange Ruthe) bei'n Eck (Ende). - Zum Ruth zugibundn a ganz leinge Hör (Haar), Zu der Hör a Nodl, wie a Bejgn (Bogen) vardrejt, — Dos muss greichen bis'n Grund gor — Af'n Nodl ongistochn a Stickele-Brejt: Dos hat der Mentsch derklärt (ersonnen) giwiss, "Wie zu feingen die kluge Fisch, Welche bei'n Grünt gejt. Vun die 'Tiefenes (Tiefe) sie zu feingen, Konn men anders nit derleingeu (erlangen) Nit mehr wie [oder: Nor] mit dem Stickele Brejt. II. Mir Mentschu seiueu ejch wie die Fisch gleich; Jn der tiefer Welt rhuen mir aroisschwimmen Die Welt is giglichn (gleicht) zu a tiefer Teich: Schwer in ihr a Mentschn zu bekummen. ( Ejner ot gejt gor beim Grünt, Kejner seht em gor nit on (man merkt ihm nichts an), Er hit' dem Stat (wahrt den äusseren Anstand), er hit' sein Gisunt (Gesundheit) Mi seht ihm kejn Awle (Unrecht) kejnem nischt thon — Nor plutzling (plötzlich) mir sehn ihm schejn Ales (als) ejn Merder gefeingen (gefangen) gejn. In Gisicht is er blass un tejt (totenblass) Er bot sach gilost (lassen) feingen: Ihm bot dos gimust, nebacb, ejch zweingen (zwingen) Nit mehr wie der Stickele Brejt! III. Dort seh ich a ehrende (vornehmen) Fisch mit Stolz schwimmen, Die klejne Fisch weichen ihr aus die Weg, Mit ihr gildenen Panzir hot sie sich zu b'rihmen, Ihre Schuppen seinen schejn ohn Breg (unendlich gross); In a Minut arum ich seh ihr in Schreck, Der Feinger zieht ihr mit Schand. Sie drejt sach, sie warft sach, sie zapplt mit'n Eck (Schwanz), Un sie is schejn bei'n Feinger in Haut.

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