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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 1 (1906) · p. Seite 45

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
1 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 45 (sequence 50)
Language
German
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— 45 — den bekannten Witzbold Herschel Marsehelek, weshalb denn eigentlich an diesem Tage eine so ausgelassene Freude herrsche, worauf er die Antwort gab: „Trunkene werden nicht gerichtet". (Russische Eedensart.) Im Laufe des Tages sucht man sich gegenseitig auf und bittet dabei zum Zeichen des zwischen beiden herrschenden Friedens etwas Süsses, welcher Brauch „Leikech (Leckerei) bejtenu heisst, auch sucht man an diesem Tage sogar mit dem grimmigsten Feinde Frieden zu'sehliessen. Der auf das Yersöhnungsfest folgende Tag heisst „zi Gotts Numen". An ihm erwacht man früher als gewöhnlich und geht zum Gebet in die Synagoge, damit der Satan keinen Grund habe, Gott zu sagen: „Siehst du, kaum ist der Versöhnungstag vorbei, und sie haben dich und deine Synagoge vergessen." Liedertexte zu den Heft XYI, 8. 115-117 mitgeteilten Melodien. (Aufgezeichnet aus dem Munde des blinden Badchan Jejl Aschkinas, auch Jejl der Blinder genannt, aus Rohatschew, Gouv. Mohilew. Nach dessen Angabe ist der Verfasser der um das Jahr 1882 verstorbene Pesach Elje Badchn aus Bobrujsk, Gouv. Minsk, wahrscheinlicher ist es jedoch der Wilnaer Badchan Eljokum Zunser). Rabbiner S. Beilln. Der Parom (die Fähre). I. Bei a Teich (Fluss), wos sie is tief un brejt, Ich seh' a Iberfuhr beim Breg (Ufer) stejt, Un alle zu ihm ziehen Vun bejde Seiten, vun bejde Bregn. Mentschn, Ferd un Wägn ("Wagen) Heilendik (eilend) ahin fliehen. Die alle Mentschn wintschn sach un bentsehn, Sej solln glicklich ariber die Teich: Unser Lebn is der Parom, Die Welt ist bei uns der Thom (hbr.: Abgrund) Brider, dos mejn ich taki (russ.: ja, eben) eich! II. Die alle, wos (welche) fohrn in "Weg, Kol-sman (hbr. so lange) sej stejen bei'n Parom afn Breg, Is far sej der Schreck gor klejn; Wenn sej seinen schejn (sie sind schon) ariber dem Mittn (die Mitte), Vun alles Bejs hot sej Gott eingihitn (behütet), Seinen sej bei jenem Breg schejn.

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