Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
- Issue
- 1 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 44 — Kinder den Vögeln zuwerfen in Erinnerung daran, dass die Vögel den Juden in der "Wüste als Speise dienten, wovon in jener Perikope erzählt wird. Auch befindet sich dort das Lied, das Mose auf den Untergang der Ägypter sang. „Der Sabbat vor Ostern heisst der „grosse Sabbat", wird aber von den Frauen Sehabo s-dranke „der abgerissene Sabbat" genannt, da infolge der Vorbereitungen zum Osterfest dieser Sabbat kurz nnd weniger feierlich abgetan wird. "Während des ganzen Monats Elul werden am Montag und Donnerstag und von der ersten Sselicha an täglich die Gräber der verstorbenen Verwandten und Freunde besucht. Man lässt sich mit den Toten in lebhafte Gespräche ein, schüttet vor ihnen das Herz aus, erzählt ihnen sein Leid und seine Not, beichtet vor ihnen die guten und bösen Taten des vergangenen Jahres und bittet sie schliesslich, vor dem Allmächtigen Beistand zu leisten und für die lebenden Verwandten zum bevorstehenden Gericht „a git Wort" sagen zu wollen. Nach der seltsamen Psychologie des Galgenhumors ist der Tag vor dem Versöhnungsfest ein Freudentag. An diesem ist der Zudrang zu den Friedhöfen am grössten. Die Kommenden werden von der Chevrah kadischah (heilige Brüderschaft) oder von den JMedhofsan gestellten mit Branntwein und verschiedenem Gebäck bewirtet, es geht ziemlich lustig zu, und beim Verlassen des Ortes hinterlässt jedermann ein kleines Geldstück für die Angestellten. Man fragte einst Eine Laubhütte.