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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 1 (1906) · p. Seite 42

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
1 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 42 (sequence 47)
Language
German
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— 42 — „Neschume- (Seelen-) Locht* genannt, wird in der Synagoge zur selben Zeit angezündet. Von den Besten der Fäden werden die obengenannten Lichtchen für das Makkabäerfest sowie für die Jugend hergestellt. Auch wird das Feld noch für einen anderen Zweck nicht selten gemessen. Ist nämlich jemand gefährlich krank, insbesondere ein einziges heissgeliebtes Kind, so misst man, vielleicht unter der Idee, den Kranken dem Tode zu erkaufen, den Friedhof wie oben angegeben und schafft ein der Fadenlänge entsprechend langes Stück Zeug an, welches an die Armen oder an ein Kranken- oder Siechenhaus verschenkt wird. Im Anschluss an diesen, vom Verfasser auch im „Globus" vom 20. April 1905 behandelten Gegenstand bringen wir hier einen Auszug aus dem an jener Stelle veröffentlichten Aufsatz über „die Fest- und Fasttage der russischen Juden in ethnographischer Beziehung:" Dank den Gesetzen des Eiruw (Vermischung) können die Bewohner eines Häuserkomplexes, mehrerer Strassen, ja in der ganzen Stadt in eine Familiengemeinschaft verwandelt werden, wodurch gewisse sonst am Sabbat verbotene Verrichtungen sämtlichen Bewohnern gestattet werden. Gehört z. B. ein Häuserkomplex eines geschlossenen Hofes einem Juden und werden sämtliche Wohnungen desselben von Juden bewohnt, so bringt jede Familie zum Hausbesitzer etwas Mehl. Dieses Mehl wird im Beisein sämtlicher Hausbewohner vermengt und aus ihm eine sogenannte Eiruwmazzah gebacken, eine Handlung, durch die die Familiengemeinschaft sämtlicher Einwohner symbolisiert wird. Die Eiruwmazzah hängt an sichtbarem Orte beim Hansbesitzer und wird gewöhnlich aus ungesäuertem Teige zubereitet, damit man sie auch am Pessadi aus dem Zimmer nicht zu entfernen braucht. In einigen polnischen Städtchen ist noch jetzt ein Eiruw, ein Draht, an Stangen befestigt, um das ganze Städtchen herum zu,sehen, wodurch die ganze Gemeinde symbolisch zu einer einheitlichen Familie wird. Der Eiruw gestattet, am Sabbat alle solche Handlungen zu verrichten, die zum Leben unbedingt notwendig sind, so z. B. das Tragen von Speisen, die häufig aus verschiedenen Rücksichten für mehrere Familien in einer Küche zubereitet werden, das Tragen von nötigen Kleidungsstücken u. s. w. Am Freitag wird gewöhnlich früher als sonst, etwa um 11 Uhr, und mässiger als sonst zu Mittag gespeist, damit man abends von den verschiedenen Leckerbissen, hauptsächlich den Fischsorten, desto mehr verzehren kann. Nach dem Mittagessen geht man ins Merchoz (Bad), dann wird Tee getrunken, und abends begibt man sich in die Synagoge. Zu Hause zünden die Frauen ihre Lichter an, und zwar mehr als an sonstigen Feiertagen. Die gewöhnliche Zahl zwei wird von der Hochzeit bis zur Geburt eines Kindes behalten, dann wird mit jedem Kind ein neues Licht hinzugefügt. Die Dreizahl ist verpönt, da um den Toten herum gewöhnlich drei Kerzen gestellt werden, und so zündet man mit der Geburt des ersten Kindes gleich vier Lichter am Sabbat an.

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