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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 1 (1906) · p. Seite 37

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
1 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 37 (sequence 42)
Language
German
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— 37 — Un' sie varwundrcten sich alle auf das Eätnis, un' sie sageten, es war so schwer, dass nit möglich ist "zu bescheiden. So war dasmalt unter ihnen ein alter Kaufmann un' wollt es der selbe mit Gewalt bescheiden. Un' die . Knaben wollten den Bescheid nit annehmen; denn sie sagten, es war die Wahrheit nit, un' sie zanketen derentwegen, bis es Tag war un' man wusst' nun nit, wem man die zehu Gulden geben sollte. So spricht der Schiffman: ,hört mir zu! Ihr sollt alle auf das Schloss gehn zum Fürsten un' er soll erkennen das Recht zwischen euch.1 Un1 sie waren zufrieden un' gingen zum Fürsten. So sprach der Fürst zu ihnen: ,was wollt ihr Gutes so früh?4 un' sie erzählten alls, was vorgangen ist zwischen ihnen un' ihr künstlich Rätnis un\ die Bescheidung von den alten Kaufmann. Dar nun der Fürst das Rätnis hörete, da» erschrak er ein grosse Erschrecknis, un' er sieht die Knaben an, un' er erkennet sie; denn sie waren nit sehr gross gewachsen un' er sagt zu sie: ,wie wisst ihr denn die Bescheidnis von den alten Kaufmann, dass sie nit wahr ist?4 Sie entfern; »lieber Herr, unser Vater war ein wohl gelernter Mann, un1 der hat sich die Rätnis ardacht un* die Bescheidung drauf gestellt. Also kann es keiner recht bescheiden ,als wir oder unser Vater.' So spricht der Fürst: ,wenn ich es nun bescheiden sollt, war' ich denn darum euer Vater?4 Sie antworteten ihm: ,wenn einer das rechte bescheid[et] mit der Wahrheit, so muss er unser Vater sein; denn er hat das Rätnis sein Tag kein Menschen gesagt, sondern zu uns Knaben, un' mir haben es nit ausgeben bis itzund.' So spricht der Fürst: ,nun varnehmt doch cinmalt mein Bescheidung! Vielleicht möcht ich die Wahrheit sprechen.4 „Wajomer" (— und er sprach) un er sagt der König: ,nach meinem Varstand, so ist die schöne junge Frau die Jugend^ von die Knaben. Sie denken den ganzen Tag nix anders, als auf die schöne Jungfrauen. Also sehn sie bei der Nacht ein Traum, als vor ihnen war eine schöne Jungfrau. Aber sie sieht nix aus ihr Augen, derweil sie sich in der finstre Nacht erzeigt in Traum. So helfen die Augen nix. Denn wenn schon(t) die Augen offen sein, so sieht man auch nix. Darum kann die schöne Jungfrau auf ihr Augen nix sehen. Sie gehet zu morgens hinweg, wenn der Mensch aufwacht zu morgens, so geht der Traum hinweg un' bleibt aussen den ganzen Tag, bis auf der Nacht weist sie sich wieder mit hübsche Zierung, die nit beschalTcn sein oder vorhanden in die Welt sein. Das ist gut varstchn: danvcil er solches nur in Traum geschn, so sein die Zierung nicht beschaffen oder vorhanden. Nun habt ihr die Bescheidung! Wollt ihr die Wahrheit bekennen, so will ich euch vor meine Kinder annehmen.4 Un' die Knaben varwundreten sich über der Bescheidung un' sie lugten (blickten)* einer auf den anderen un' sie erkennten, dass dieses ihr Vater ist un' sie hoben vor grosse Freud an zu weinen eine Weinung ein grosse, un' sie konnten nit reden vor grosse Schrecken, un' ihr Vater un' Mutter springen auf von ihre Stühlen, dar sie auf sassen un' sie halsten un' kussten die Knaben un' sie weineten mit

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