Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 1 (1906) · p. Seite 33

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
1 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 33 (sequence 38)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2638044-2638048-2638049--0222-2638410
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 33 — Als der Talmid chakham solchs gehört hat, ist er zurück auf den Berglein gangen un' anfangen zu graben, wie ihm das Stimm befohlen hat. Also gefand er den Kasten mit Gold un' Abanim tobot (Edelsteinen) un' er schleppet den Kasten bis an Borten das Meer (Ufer des Meeres) un' er hebt auf sein Augen. Da sach er, wie ein Schiff mit Leut in das Jam (Meer) geht, so schreiet er auf sie mit grosser Stimm, sie sollten doch hieher fahren un' ihn mitnehmen, denn er war a[u)ch ein Mensch wie sie. Un' die höreten sein Stimm un' dass er redet, wie die Leut reden, so fahren sie auf ihm zu, un' er erzählt sie, wie es ihm gangen ist. Un' sie nehmeten ihn geschwind in das Schiff mit sein Kasten. Als er nun in das Schiff war un' sie höret, sein wildes Weib, sein Geschrei un' sie kennt sein Kol (Stimme), so kennte (erkannte) sie sein Kol un' hat das wilde Kind an ihre Händ un' sie lauft gar schnell zu ihm, un' sie ersach ihm in das Schiff un' sie ruft auf ihm, er sollte sie doch a[u]ch mitnehmen. Aber er spottet aus ihr un' sagt: ,was habe ich mir die wilde Tier zu schicken. Ich habe schon ein besser Weib, als du jrfst'. Un' er redet die Worten noch viel mehr zu ihr, als die dasigen Vierten. Wie sie so höret sein Worten, dass er nit mehr zu ihr kommen wollt, un' es grimmt in ihr der Zorn, un' sie nahm das wilde Knäblein bei die Fuss un' zureisst es in die Hälft un' werft ihm die Hälft in das Schiff anein un' die andre Hälft fresst sie anein in ihr Eogez (Zorn) un' lauft darvon, un' der Talmid chakham fahrt mit sein Leut darvon. Nun, er kam in ein Land, dar war ein Insel im Meer un' sie stiegen araus. Un' er nahm den Kasten un' macht ihn auf un' sie [er] war voll mit Gold un' Abanim tobot (Edelsteinen), die kein Schatz (Schätzung) haben. Un' er gab den Schiff mann sein Lohn mit Freuden un' er Hess sich den Kasten tragen in die Herberg un' er lag bei der Nacht auf sein Streu un' denket: ,wenn ich die Insel von den Melekh (König) könnte kaufen, so wollte ich ein Schloss un' ein Stadt darhcr bauen, so hätte ich mein Einkommnis (Einkommen) un' dürft mich nit zu fürchten, dass mir mein Geld geganwet (gestohlen) würd. Un' es war zu morgens früh, so ging er zu den Melekh (König), un' er kauft ihm ab die Insel in das Meer, welche etliche Meil lang war un' er baut sich dar ein Schloss un' ein Stadt, un' wert endlich ein ganz Land auf der Insel gebaut. Un' die Leut auf der Insel nehmen ihn vor sein [ihren] Fürsten an, es war, als [ob] er König s[ei]. So gedacht er an sein Weib un' Kinder, dass er sie so jämmerlich verloren hat, also kam ihm in Sinn, weil sein Weib durch ein Schiffer hinweg genommen worden is, un' weil nun alle die Schiffieut vor mein Schloss, das ich hier gebaut habe, vorbei müssen fahren, so will ich in meinen Land lassen ausrufen, dass kein Schiff soll vorbeifahren, sondern soll sich erst bei mir anmelden bei Yarlust sein ganz Schiff un' Gut. Un' er tät also un' es geschach also, un' sie meldeten sich, alle Schiffieut, bei ihm un' speiseton mit ihm. Nun, es war ein Zeitlang un' er könnt von sein Weib un' Kinder nix erfahren un' es war einmalt an Pesach un' der Talmid chakham sitzt un' esst zu Mittag un' war gar lustig, da kam sein Knecht un' meldet ihm an [einen] Mitteilungen zur jiitl. Volkskunde. Heft XVII. 3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.