Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 1 (1906) · p. Seite 32

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
1 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 32 (sequence 37)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2638044-2638048-2638049--0221-2638409
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 32 — andre wilde Leut un' die tfeifeten [pfiffen]. Dar kommen die wilde Leut junge im alte zu springen aus die Löcher, wor[in] sie, ihre Wohnung haben in das Gebirg, un' sie lauften alle auf ihm, sein Blut zu trinken un' sein Fleisch zu essen un' ihr König war a[u]ch darbei. Un' der Talmid chakham (Gelehrte) erschrak ein grosse Erschrecknis, un' es war balde kein Atem in ihm. Un' sie sa[c]h es, des Königs Tochter un' sie weist ihm, dass er sich nix ferchten soll un' sie ging zu den König, ihren Vater un' bat ihn gar sehr, dass er den Menschen sollt leben lassen, denn sie wollt ihn nehmen vor ein Mann. Also folgt er ihr un' liess ihn leben, un' der Talmid chakham (Gelehrte) musst sich bei der Nacht bei ihr legen un' er war nun ihr Mann un' sie war sein Weib, wiewohl er oftmales in sich selbst an sein hübsch fromm Weib gedacht, das so elend gleich [elendiglich] von ihm kommen ist. So war alles doch nit zu ändern un' nahm alles mit geduld an un'hat die Hoffnung noch, als dass ihm Hsch"j (Gott) zu seinen fromm Weib un' liebe Kinder helfen wert. Als er nun Zeitlang mit ihr gehaust, da war sie von ihm tragen un' gewann ein Knäblein, ein wildes. Nun er hütet von Tag zu Tag das Vieh in der Wüstenei un' er war bei ihnen schont zwei Jahr un' er musst mit sie essen das Fleisch von den wilden Mauleseln un'Tieren, un' er lag in die Löcher in den Gebirgen mit sein wildes Weib. Er un' das Weib waren ganz mit Haaren bewachsen un' er sieht ein wilden Mann gleich. Nun stund er einmal(t) in der Midbar [Wüste] auf ein kleines Berglein nit weit von den Meer, un' bedenkt sich an all das Leid, das ihm sein Tag zu handen kommen sei, un' wie er verloren hat sein klug fromme Weib un' Kinder un', das noch das aller schwerste ist, dass er sein ewige jähren soll verschlossen unter unverständige wilde Tieren un' das sie doch endlich mit der Zeit, wenn sie seiner werden müd sein, sein Fleisch werden essen un' sein Gebein zubrechen un' er wert nit bei ander gute Jehudim (Juden) begraben werden un' als einem frommen Jehudi (Juden) gebühret, also ist doch nit Besseres, als dass ich ein Zulauf nehm von den Berglein, dar ich auf steh un' lauf bis in das Jam (Meer) un1 ertränk mit, als wie mein zwei liebe Kinder a[u]ch ertrunken sein woren, denn er wusst nit, das Jam (Meer) hätt" [sie] arausgeworfen —, so wert er zu ihnen kommen un' wert sich freuen mit ihnen in OlanThaba (Jenseits.) Also bekennt er seine Sünd vor Gott mit heisse bittere tränen. Als er nun seine Widdujim (Bekenntnisse) aushat, so fangt er an zu laufen auf das Jam (Meer) zu in willen, sich zu ertränken. Also kam ein Stimm zu ihm — das ruft ihn bei sein tarnen un' saget zu ihm —: ,du verzweifelter Mensch, warum willst [du] verzweifeln un' dein Neschama (Seele) (zu) verderben? So geh man wieder zurück auf das Bergelein, dar du bist auf gestanden un' grab dar auf, so werstu darin finden ein Kasten mit Geld un' Abanim tobot (Edlsteinen), ein Reichtum, ein grosse sehr sehr, un' zeuch den Kasten bis zu Borten an das Meer un' bleib stehn ein Weil, so werd kommen ein Schiff mit Menschen deinesgleichen zu fahren nach Antiochia, so schrei auf ihnen, dass sie dich sollen mitnehmen un' dich mit den Kasten mazzil sein (retten) in ihr Schiff, so werstu endlich ein König werfdjen un' wert" dir wohlgehn un' du werstnun sehn das End von dein Leiden un' fang sich nun an deine Freuden.'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.