Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
- Issue
- 1 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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— 31 — mein' Gefängnis'. In solchen grossen Weinen und Jammer ist er eingeschlafen. Da träumt ihm ein Traum, wie dar war ein gross Wüstenei un' die Wüstenei war voll mit wilde' Tieren un' sie standen über ihm un' wollten ihn zureissen un' sein Fleisch wollten sie essen. Un' er war zittern vor Furcht un Angst un' er sieht um hin un' her in sein Elend un' er sach, wie da kommen ein grosse Herd' Schaf un' Rinder, un' als die Chajot ra'ot (wilden Tiere) dieselbe Sachen, Hessen [sie] ihm stehen un' laufeten die Behemot (Vieh) nach un1 er entlief un' kam zu einem Schloss, das bein Wasser war, da hemmt viel Schiften waren un' er kam in das Schloss un' man sezte ihn auf ein stuhl der Melukha (Königswürde) un' er freut sich mit seine Schiffs[s]leut sehr sehr. Nun, er entwacht von sein Schlaf un' bedenkt den Traum im' sagt zu sich selbig: ,der Traum weist aus, dass nun wert vorbei sein mein Elend un' Gott wert mir wieder helfen un' er wert mir durch Schiffsleut wieder erfreuen, weil ich durch Schiffsleut bin woren beleidigt. Nun, in der selbige Zeit wer der König in die Stadt gestorben, un' die Landsleut sezeten sein Sohn zu einen König in der Stadt an sein Vaters Steil. Un' der junge König macht die Stadt frei von Mas (Tribut) auf drei Jahr', darmit dass er sich ein guten Namen bekam unter seinen Volk un' er macht a[u]ch los alle gefangene Leut in der Stadt. Un' er war a[u]ch losgemacht der gute Talmid chakhain (Gelehrte) mit seine zwei Söhn un' er ging auf den Mark[t] hin un' her wusst nit ein Tg[pf]ennig zu verdienen, den Kindern Brot zu kaufen un' er hebt auf sein Augen un' sa[c]h ein Schiff stehn, dass es wollt fahren nach Ostindien, so sagt er zu seine zwei Kinder: ,kommt nun, weil euer Mutter von den Schiffsleuten ist hinweg geführt worden, so wollen mir a[u]ch in Schiff gehen. Vielleicht möchten mir euer Mutter erkennen un' möcht uns Gott wieder zu einander helfen.' Un' er ging zum Schiffer un' betet ihm, er soll ihm mit seine zwei Kinder in sein Schiff mitnehmen, dar weil er so ar(i)m ist, dass er nit hat ein bisse[n] Brot zu ka[u]fen. Un' er erzählt dem Schiffer alles, wie es ihm gangen hat. Un' er erbarmt sich über ihn, der Schiffer, un' er nahm ihn mit seine zwei Kinder in sein Schiff un' er gab sie zu essen un' zu trinken nach ihr belieben. Un' es war, als sie kamen mitten in das Jam (Meer), so Hess Gott ein grossen Sturmwind wehen, un' er zuschmettert das Schiff un' sie darsaufen alle, die in das Schiff waren, sondern (ausgenommen) der Talmid chakham (Gelehrte) un' seine zwei Kinder un' der Schiffer, der sie gespeist hat in den schiff, die waren nit ertrunken; denn sie begreifen ein Brett von Schiff ein jedrer un' hielten sich dran im' die zwei Kinder hielten sich an mit einander an ein Brett von Schiff. Un' das Meer werfet sie aus in andre Länder. Er der Talmid chakham (Gelehrte) war ausgeworfen in ein grosse Wüstenei, in ein Ort, wo(r) sich dorten die wilde Leut aufhalten, un' da[e]s Königs Tochter von die Wilden ersa(c)h ihn; denn sie weidet die Schaf un' Rinder in der Wüstenei un' sie war ganz nacket, mit Haar verwachsen un' umgegürtet mit Feigenblätter, zu bedecken ihr Schand. Nu' sie ging zu ihm un' beweist ihm Liebschaft, als sollt er sie nehmen vor ein [zum] Weib, un' aus grosser Furcht weiset er ihr a[u]ch Liebschaft un' (indem er) ihr zu verstehen gab, dass er sie nehmen wollt. Un' es ersa[c]hen es die