Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
- Issue
- 1 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2638044-2638048-2638049--0219-2638407- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 30 — dass man dir was zu waschen gibt'. Nun, die Frau lasset sich trösten von den alten Mann un' sie danket ihm sehr freundlich un' sagt sie wollt ihm folgen. Nun der alle Mann ging seines Wegs un' sie sach ihm nit mehr un' sie ging in ihr Haus un' machet den Mann etwas Essen auf der Nacht un' sie tröstet ihren Mann, er sollte sich doch nit ungeduldig wer'n un' nur bei sein' Lernen bleiben. Sie wollte arbeiten Tag un Nacht, dass sie ihn un' ihre Kindercher ernährt'. Da hob der Chasid erst an bitterlich zu weinen un' sein' fromm' Weib mit ihm, dass es wohl Gott in Himmel mocht erbarmen. Aber die kluge, fromme Frau ermannte sich am ersten wieder un' sprach: ,Mein lieber Mann, das Schreien un' Heulen will uns un' unser' Kinder kein Brot bringen. Ich will gehn un' sehn, was mir Gott wird bescheren zu arbeiten, dass ich was verdienen un' dich mit den Kinder kann mecbajeh sein (ernähren)'. So sagt der Chasid: ,Nun geh hin, mein lieb Weib, Gott will in unser Hilf sein'. Also ist sie heinigangen, bei ihr Kinder schlafen. In Morgens ist sie gar früh aufgestanden, weil ihr Kinder noch schliefen im' sie ging in der Stadt in die Häuser un' bittet, man soll ihr zu waschen geben. Un' di<s Stadtleut erbarmeten sich über ihr un1 gaben ihr zn waschen un' sie war ein Wäscherin nebbich. Die Stadt war an Borten des Meeres un7 sie ging alle Tage heraus mit ihr zwei Kinder an Meer un' sie wäscht dar und spreitet die Wasch' auf den Gras zu trocknen. Nun war es einmalt, dass sie so waschet, so fahret ein Schilf vorbei un1 der Schifirnann fahret auf ihr zu am Land un' er sach die Frau an, dass sie so hübsch war un'er verwundert sich über die Schönheit. So spricht die Frau:,Mein Herr, was wundert ihr euch über mir also sehr?' So enfert (antwortet) der Schiffet ihr: ,Mein' liebe Frau, ich erbarm' mich sehr über euch. Saget mir, was gibt man euch von ein' Hemd zu Wäschen?4 So saget die Frau: ,Herr, man gibt mir von ein Mannshemd zwei Groschen zu Wäschen; denn ich muss es sauber Wäschen/ So sagt der Schiffmann: ,Mein liebe Frau, ich wollt' euch gern vier Groschen geben, so ihr mir mein Hemd hübsch sauber waschen wollt.4 Da spricht sie: ,Herr, gar gern will ich es waschen.4 Un' sie nahm das Hemd un' wäschte es gar sauber un' spreitet es auf den Gras zu trocknen, un' der Schiffsmann wartet alldar auf sein Hemd. Un' er sach ihr zu Wäschen un' sie trocknet das Hemd un' legt es gar hübsch zu. Der Schiffer konnte mit sein Schiff nit an Borten fahren un' er hielte das Schiff ein EU' weit von Borten un' er warf ihr die vier Groschen in ein Papier eingewickelt anüber un' sie nahm,sie. Un' er sprach: ,Langet mir mein Hemd hierher!4 Un' sie bracht es un' langet ihm das Hemd in das Schiff. Un' er tappet sie an ihr Hai d un' zoch sie in ein Zug in sein Schiff anein un' fahrte stracks fort un'' sie schrie ein grosse Schreiung von iDnen das Schiff un1 die zwei Kinder von haussen. Es wollte aber alles nix helfen un' man könnt' sie nit mehr hören schreien. Nun, wie die zwei Kinder nix mehr hörten oder sachen von ihre Mutter, so Heften sie zu ihren Vater in Gefängnis un' sie weinten bitterlich un' sagten [hm alle Geschichtnis von ihre Mutter. Nun, als ihr Vater höret die Red' die dasigen un' er hebt auf sein Stimm un' er weint ein Weinung ein' grosse un' er schrie un' sprach: ,Gott, mein Gott, warum verlasst Du mich in solchen Elend un' ich habe ja itzundert keinen mehr auf Erden, der mich ernähren, wird in