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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 1 (1906) · p. Seite 27

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
1 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 27 (sequence 32)
Language
German
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— 27 — Also haben wir uns die ganze Nacht also mit ihm geplagt und allerhand Sachen aufgelegt, aber es ist — u. u. gr. S. w. — all's zusehends ärger ge-. worden. Also ist es Tag geworden, haV ich zu ihm gesagt: „Gelobt sei Gott, dass es nun Tag ist! Ich will nun nach einem Doctor und einem Bruchschneider schicken." Hat er es nit leiden wollen und gesagt, man solle rufen lassen Abraham Lopez, das ist ein Portugiese, ein Barbier und ein Doctor dabei. So habe ich nach demselben geschickt. Wie er gekommen ist, hat er die Wunde gesehen, aber gesagt: „Sorget nit, ich will ihm was auflegen, dass er bald wird besser werden. Ich habe solche Leut1 viel hundert gehabt und ihnen geholfen." Dieses ist gewesen Mittwoch in der Früh, so hat ihm der Abraham Lopez von seinen Sachen aufgelegt in der Meinung, es sollte ihm helfen. Aber da soll Gott sich erbarmen! Wie es um Mittag gekommen, hat der Lopez gesagt: „Ich seh' wohl, meine Kur will ihm nit helfen. Ich will hingehen und will einen Bruchschneider holen, der ein grosser Künstler ist." Also ist der Bruchschneider gekommen und hat den ganzen Tag aufgelegt in der Meinung, die Wunde zu erweichen, aber — u. u. gr. S. w. — alles ist je länger je ärger geworden. Am Donnerstag hab' ich noch einen Bruchschneider und zwei Doctoren holen lassen, so ist dabei gewesen Doctor Fonseca. So sagt er zu mir, als ich mit ihm geredet hab' nnd ihm alle Umstände erzählt hab': „Ja, was soll ich viel sagen? Wir haben hier einen kurzen Prozess, denn die Gedärme sind leider alle ineinander geschlungen, also kann er keinen offenen Leib haben." Und was da hat wollen unten ausgehen, das hat er oben ausgebrochen. Alles, was man gebraucht hat, hat all's nichts helfen wollen, und doch hat er — d. Fr. in. i. — nichts Fremdes wollen bei sich haben und uns geboten, alles geheim zu halten. Aber ich hab mein Yerhängnis wohl verstanden und vor mir gesehen, dass ich werde so betrübt werden. Also ist der Donnerstag, der Tag und die Nacht, auch in solchen betrübten Leiden hinweggegangen. Am Freitag bringt der Lopez einen Arzt, welcher von Berlin ist und viele Jahre des Kurfürsten Doctor gewesen, und dieser giebt ihm auch was ein und legt ihm Pflaster auf, aber Gott soll sich erbarmen, alles nichts geholfen. Am Sabbat in der Früh ist es mein Schwager Josef erst gewahr geworden, welcher damals ist mit ihm uneins gewesen. Er ist zu mir ins Haus gekommen und hat gebeten, man solle ihn doch in die Stube hineinlassen. So bin ich zu meinem seligen Mann gegangen und habe ihm gesagt: „Mein Schwager Joset ist draussen, er will gern herein zu Euch geh'n.w Hat er gesagt: „Lasst ihn hereinkommen!" Wie er in die Stub hineingekommen, hat er leider sogleich seinen Zustand gesehen und seinen Kopf wider die Wand gestossen und sich Hände voll Haar aus seinem Kopf gerissen und bitter angefangen zu rufen: „Weh' mir, dass ich solch' einen Schwager soll verlieren!" Und ist über sein Bett gefallen und hat ihn mit bittren Thränen um Verzeihung gebeten. So hat ihn mein sei. Mann mit wirklich frischem Herzen geantwortet und gesagt: „Mein lieber Schwager! Ich vergebe Euch und allen Menschen. Ich bitte auch Euch um Verzeihung". Me;n Schwager E. Josef hat ihn nachdem beruhigt und gesagt, er solle sich gedulden, Gott werde seine Hilfe schicken. So hat er gesagt, er wäre alles zufrieden, was Gott tut. Er hat sich mir

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