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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 1 (1906) · p. Seite 26

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
1 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 26 (sequence 31)
Language
German
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— 26 — werde, da es wohl drei Jahre gestanden, während alles geineint, man sollte es zur Reise hrauchen. Aber dem Höchsten hat es noch nicht gefallen (uns zu erlösen). Glüekels erster Mann stirbt. p. 19 4. Nun will ich das fünf te Buch anfangen zu meiner grossen Betrübnis. Herzliebe Kinder! Nun will ich euch erzählen den Anfang bis zum End, dass euer lieber Vater ist krank geworden und gestorben. Es ist gewesen der 19. Tebeth 5449 (1689). Mein sei. Mann, euer lieber Vater, ist Abends in die Stadt Hamburg gegangen. Es hatte ihn ein Kaufmann hinbeschieden, er hat mit ihm was handeln wollen. Wie er nun beinahe bei des Kaufmanns Haus kommt, ist dort ein spitzer Stein, über den er — um unserer grossen Sünden willen — gefallen ist und sich eine solche Verletzung zugezogen hat, dass wir alle noch darüber zu klagen haben. Also ist er elend heimgekomman. Ich bin bei meiner guten Mutter gewesen und man hat mich heimgerufen. Wie ich nach Hause gekommen bin, ist mein sei. Mann am Ofen gestanden und hat geächzt. Ich habe mich erschrocken und gefragt, was ihm schadet (Schmerzen verursacht). Er sagt: „Ich bin gefallen und fürchte, dass es mir wird viel zu schicken geben." So hat er sich leider nicht regen können, und ich habe ihm müssen alles aus den Taschen nehmen. Denn wenn er — der Friede mit ihm — ist in die Stadt gegangen, hat er mit sich genommen alle Taschen voll mit Juwelen. Wir haben — um u. gr. Sünden w. — seine Verletzung nicht verstanden; denn er hat — u. u. gr. S. w. — schon etliche Jahre einen Bruch gehabt, und wie er gefallen ist, so ist er — u. u. gr. S. w. — auf die Bruchstelle gefallen und die Eingeweide haben sich — u. u. gr. S. w. — in einander verschlungen. Nun wir hatten ein Bett alle Zeit in der Stube liegen, aber er hat nicht [darin liegen] gewollt, und wir haben ihn müssen hinaufbringen auf die Kammer. Es ist damals eine Kälte gewesen, dass Himmel und Erde hat wollen zusammenfrieren. Wir sind die gauze Nacht bei ihm gewesen und haben ihm getan, was wir gekonnt haben, aber haben es nit länger können zukommen. Und ist ihm auch sehr schädlich gewesen, in der Kälte zu liegen. Endlich hat er — der Friede mit ihm — selbst gesehen, dass es ihm nit gut ist, so haben wir ihn herunter gebracht. Es ist schon nach Mitternacht gewesen, dass wir uns so geplagt haben und — u. u. gr. S. willen — ist all's keine Besserung gewesen. Ich habe mein betrübtes Verhängnis wohl vor mir gesehen, dass dieses kann kein gut tun, hab' ihn um Gottes Willen gebeten, er solle sich lassen einen Doctor rufen und Leut' lassen zu sich rufen. Da hat er — der Friede m. i. — gesagt; „Eher ich es wollt' Leuten entdecken, ich wollt' lieber sterben." Ich bin vor ihm gestanden und habe geheult und geschrieen und gesagt : „Was redet Ihr da? Wrarum sollen es nit Leut' wissen? Ihr habt es ja nit von Sünd' oder Schand' bekommen." Alles Sagen hat all's nichts mögen helfen: denn er — d. Fr. m. i. — hat sich eine Narrheit eingebildet, dass solches seinen Kindern möchte Schaden tun, dess man sollte sagen, dass es ein erbliches Leiden wäre, denn er hat seine Kinder so gar sehr geliebt.

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