Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
- Issue
- 1 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 25 — Glüekels Stiefschwester. p. 34. Glückel sagt von ihr, dass sie „kein Gleichnis gehabt sowol an Schönheit' wie an Charakter, Französisch hat sie wie Wasser gesprochen." Das ist Glückeis Vater einmal sehr zu nutz gekommen. Glückeis Vater hatte von eineuijornehmen Bürger ein Pfand auf 400 Tlr. in Verwahrung. Nach einiger Zeit kommt der Schuldner in Gesellschaft zweier anderer Männer, um das^Pfand / auszulösen. Glückeis Vater ahnt nichts Böses und geht hinauf, um das Pfand zu holen. Die Stieftochter spielt inzwischen auf dem Klafzimmer (so nennt Glückel das Klavier), um den Herren die Zeit zu vertreiben. Sie hört, wie die drei sich auf französisch verabreden: „Wenn der Jude kommt, nehmen wir rasch das Pfand, ohne zu bezahlen, und eilen davon." — Ohne dass sie es ahnen, hat sie das Mädchen belauscht und als nun ihr Stiefvater mit dem Pfände kommt, beginnt sie laut auf hebräisch zu singen, er solle das Pfand nicht herausgeben. „Sie hat nebbich in der Hast nichts anderes können herausbringen.*' Der Vater, dadurch gewarnt, sagt: „Wo ist das Geld, mein Herr?" „Gebt nur das Pfand,** spricht der andere. Als aber der Jude sich weigert, ruft der eine Fremde: „Das Weibsbild hat uns verraten, sie versteht französisch." Und mit Fluchen und Schelten machen sie sich davon. Am nächsten Tag kommt der Schuldner allein, erlegt die Schuldsumme und spricht: „Ihr habt das Geld wohl angelegt, dass ihr eure Tochter französisch lernen liesset." Und ging damit seiner Wege. Sabbatai Zebi. p. 81. Die Freude, die da geherrscht hat, wenn man Briefe gekrogen (erhalten) hat, das ist nicht zu beschreiben. Die meisten Briefe, die gekommen sind, haben die Portugiesen bekommen. So sind sie denn allezeit mit ihnen in ihr Bethaus gegangen und haben sie dort vorgelesen. Auch Deutsche, jung und alt, sind in ihr Bethaus gegangen. Und der Portugiesen junge Gesellen haben sich allemal ihre besten Kleider angetan und ein jeder hat sich ein grünes breites Seidenband umgebunden. Das war Sabbatai Zebi's Livree. So sind sie alle mit Pauken und Trompeten in ihr Bethaus gezogen. Mit Freude, wie einst beim Wrasserschöpffest (im Heiligtum zu Jerusalem) haben sie die Briefe vorgelesen, zum Teil haben sie nebbich all das Ihrige verkauft, Haus und Hof, und schon gehofft, dass sie alle Tag erlöst würden. Mein sei. Schwiegervater hat zu Hameln gewohnt, er ist aber von dort hinweggezogen, hat sein Hof und Haus und Hausgerät alles aufs Beste versorgt, stehn gelassen und ist nach Hildesheim übersiedelt. Hierher nach Hamburg schickte er uns zwei grosse Fässer mit allerhand Leinenzeug und darin war von allerhand Speisen, z. B. Erbsen, Dörrfleisch und andere Grempelspeis von Zwetschenschnitzen, alles, was sich halten kann, denn der gute Mann hat gedacht, man werde geradenwegs von Hamburg nach dem Heiligen Lande fahren. Diese Fässer haben wohl länger als ein Jahr in meinem Hause gestanden. Endlich haben sie Angst gehabt, das Fleisch und die übrigen Sachen werden zuschanden gehen. So haben sie uns geschrieben, wir sollten die Fässer aufmachen und was an Speisen vorhanden ist, herausnehmen, dass das Leinenzeug nicht zuschanden