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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 1 (1906) · p. Seite 24

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
1 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 24 (sequence 29)
Language
German
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— 24 — Brautschauen kamen. Und in der Tat ist meine Tochter gar schön gewesen, dass man nicht leicht ihresgleichen gefunden. Die Vorbereitungen zur Hochzeit waren grossartig. Damals residirte in Kleve der Prinz Friedrich^ von! Brandenburg, der nach dem Tode des ältesten Bruders Kurprinzigewordenjoist_jk(es_ist der spätere erste König in Preussen gemeint), er und Prinz Moritz von Nassau (damals Statthalter von Kleve) und andere Fürstlichkeiten, alle haben den Wunsch geäussert, der Kopulation beizuwohnen! Dem entsprechend hat sich natürlich mein Mechuttan x) Elia Klef schon vorher eingerichtet auf solch1 hohe Gäste, auch dafür gesorgt, dass sogleich nach der Trauung eine vornehme Kollation von allerhand Confect und allerhand teuren fremden Weinen und fremden Früchten gereicht werde. Nun kann man sich wohl denken, was für ein Trubel und Wesen das war, und dass mein Mechuttan und alle seine Leute alle ihre Gedanken darauf richten mussten, solche Herrschaften zu tractiren und wohl zu accomodiren und dass man nicht einmal Zeit hatte, einer dem anderen die Mitgift abzuliefern und abzuzählen, wie es Brauch ist. So haben wir unsere Mitgift und B. Elia sei. And. die seine in Beutel getan und* versiegelt, um sie nach der Hochzeit zählen zu können. Als nun Bräutigam und Braut bereits unter dem Trauzelt standen, stellte es sich heraus, dass man in dem grossen Trubel die Ketubbah2) zu schreiben vergessen hatte. Nun, was hat man tun sollen V All die hohen Gäste mit dem Prinzen haben da gestanden und wollten dem Akte zu sehen. So hat denn der Rabbiner vom Bräutigam sich verbürgen lassen, er wolle sogleich nach der Trauung der Braut die Kethubbah rausstellten. Bei der Trauung las der Rabbiner den Ehecontract aus einem Buche vor.j-Nach der Trauung führte man die hohen Herrschaften in meines Mechuttens Prunkzimmer. Es war mit goldenem Leder ausgeschlagen, ein grosser Tisch stand da mit allen möglichen kostbaren Leckereien, womit man die Gäste nach Gebühr tractirte. Mein Sohn Mordechai war damals ein Kind von ungefähr fünf Jahren, in der ganzen Welt hat man kein schöner' Kind gesehen und wir hatten ihn gar schön und sauber gekleidet. Nun, all der Adel, der da zu Gast war, die hätten ihn schier aufgefressen, insbesondere S. Durchlaucht der Prinz ihn stets bei der Hand gehalten. Wie nun die Herrschaften von dem Confect und Früchten gegessen und von den Weinen getrunken hatten, hat man den Tisch hinausgetragen. Hierauf sind welche verkleidet hereingekommen, haben sich präsentirt und gar schön aller- * hand Possen gemacht, die zu einiger Ergötzlichkeit gedient haben. Zuletzt haben die Verstellten einen Totentanz Laufgeführt, das war etwas Kares. Auf der Hochzeit waren auch viel vornehme Portugiesen, darunter ein gewisser Mocatti, ein Juwelier, der ein gar prächtiges goldenes Ührchen, mit Diamanten besetzt, trug, das auf 500 Tlr. gekommen ist. Mein Mechuttan R. Elia hat das Uhrchen von Mocatti gefordert und es dem Prinzen schenken wollen. Der junge Prinz samt Fürst Moritz und allen Herrschaften sind durchwegs gar vergnügt hinweggegangen und kein Jude hat in 100 Jahren solche Ehre gehabt. So ist die Hochzeit in Lust und Freude gefeiert worden. x) Hier Vater des Bräutigams. 2) Trauungsurkunde.

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