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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 1 (1906) · p. Seite 23

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
1 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 23 (sequence 28)
Language
German
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— 23 — Magd mit meinem Brustkind und wir hatten ein gar böses "Wetter und konträren Wind. Das Schiff ging ehr hohl und alle, die im Schiffe waren, wurden totkrank und alle mussten — mit Verlaub — sich erbrechen, und in der Tat gibt es keine zweite Krankheit in der Welt, ich glaube nicht, dass Todesnot kann grösser sein. Ich habe es zwar nicht gespürt, so lange ich stile lag, nur meine Magd ist auch krank geworden, sie hat sich nicht rühren können uud hat nebbich das Kind bei sich gehabt. Das Kind war vielleicht auch nicht wol und fing zu heulen und zu kreischen an. Die Magd konnte sich nicht regen und musste das Kind heulen und kreischen lassen. Aber ich, als Mutter, die mit ihrem Kinde Mitleid hat, konnte es nicht länger anhören, ich musste von meinem Lager aufstehn, zog das Kind durch das Loch zu mir und legte es an die Brust. Aber mein Gott! wie ist mir so weh geworden, es ist mir stracks Todesnot angekommen. Ich dachte mir: Gewiss wird hier mein Eude Sein, und ich fing an, das Sündenbekenntnis zu sagen, so gut ich konnte und so viel ich auswendig wusste. Mein sei. Mann hat auf seinem Lager still gelegen und wol gewusst, dass dies keine tötliehe Krankheit ist. Sobald man nur die Füsse auf das feste Land stellt, so ist die Krankheit hinweg. Wie ich nun meine Sünden bekannt und alle meine Andacht auf Gott gerichtet hatte, hat mein Mann dagelegen und gelacht. Ich habe das gehört und gedacht: Ich liege da in Todesnot und mein Mann liegt da und lacht. Obschon ich darüber sehr ärgerlich war, so war diesmal keine Zeit, mit meinem sei. Mann darüber zu zanken, ich habe auch nicht die Redekraft gehabt, ein Wort zu reden. So hab ich nebbich in meiner Krankheit müssen liegen bleiben, welche ungefähr noch 1/2 Stunde gewährt hat, bis wir ans Land gekommen und aus dem Schiffe gestiegen sind. Sogleich war unsere Krankheit hinweg. Eine vornehme Hochzeit. p. 147. Wie nun die Zeit der Hochzeit herankam, sind wir beide, ich und mein sei. Mann, nach Kleve gezogen. Ich hatte ein Kind an der Brust, bei uns war die Braut, meine Tochter Zippor, sie soll leben, ferner R. Mei'r aus der Klaus, der jetzt Rabbiner in Friedburg ist, unser Diener, der feine Samuel, und die Dienstmagd. So sind wir in Gottes Namen mit einer grossen Suite zur Hochzeit gezogen, von Altona aus zu Schiff in Gesellschaft von Mordechai Cohen, Mei'r Elias und Aharon Todelche. Was wir für eine lustige Reise gehabt haben, kann ich gar nicht beschreiben. So sind wir zu Gutem in aller Lustigkeit und Vergnüglichkeit nach Amsterdam gekommen. Es waren aber wohl noch drei Wochen bis zur Hochzeit hin. Wir blieben also bei Leb Hamburger und haben da Woche für Woche mehr als zwölf Ducaten verzehrt. Aber wir haben das gering geachtet, denn in diesen drei Wochen hat mein sei. Manu in Amsterdam die Hälfte der Mitgift (1100 holländ. Taler) verdient. 14 Tage vor der Hochzeit sind wir mit Pauken und Trompeten mit mehr als zwei Minjanim Leuten nach Kle^ve gereist und sind wohl und bekowed (ehrenvoll) aufgenommen worden und sind in ein Haus gekommen, das wirklich ein königliches Palais gewesen ist, in jeder Hinsicht wohlmöblirt, als wie ein Fürstensitz. Nun, den ganzen Tag hat man keine Ruhe gehabt vor Edelleuten und Honoratioren, die alle mit ihren Damen

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