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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1906-01-01 · 1 (1906) · p. Seite 18

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Zweiter Jahrgang (1906)
Issue
1 (1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 18 (sequence 23)
Language
German
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— 18 — Jahr alt gewesen. Der Junger, der mit uns gewesen ist, hat man ihm den feinen Schemuel geheissen; denn mir haben noch ein' Jungen bei uns gehat, haben die Kinder denselben den groben Schemuel geheissen. Also sennen mir nach Hildesheim gekommen. Meine sei. Schwiegereltern haben grosse Freude mit uns gehat. Denn mein sei. Mann ist das jüngste Kind meines Schwiegervaters gewesen und ist uns — Gott sei Dank! — sehr wohl gangen, Nun, mir haben mitgenommen, was mir gemeint haben, dass [es] ein ansehnliches Geschenk in Hildesheim ist gewesen, und ihnen mitgebracht. Senen in die dritte "Woche dort gewesen und haben uns miteinander gefreut. Darnach senen mir zum Leben und Frieden wieder aheimgereist. Mein sei. Schwiegervater hat uns ein Kännchcn geschenkt, welches etwa zwanzig Thaler wert gewesen, welches uns doch so lieb gewesen, als wann er uns hätt' hundert Thaler geben, und mein sei. Schwiegervater ist damals mehr als 20000 Thaler reich gewesen und sein' Kinder alle gehat ausgeben. Und die Reis' hat uns über 150 Thaler gekost und mir seinen so vargnügt gewesen mit den Kännchen von 20 Thlrn., das uns mein sei. Schwiegervater gegeben, als wenn es 100 Thlr. gewesen. So senen mir vargnügt gewesen, nicht als wie die Kinder heutzutage sein, die von die Eltern gern alles, Haut und Haar, hinweg nehmen, alles, und fragen nit, ob sie es thun können oder nit. Also senen mir wieder in mein Haus kommen und unser Kindercher insgesamt gesund gefunden. Wie man damals reiste. Die Eeise von Hameln nach Hamburg. p. 101. Mein seliger Mann schickte mir einen Mann, er hiess Jacob und war ein getreuer Mann. Nur einen Fehler hat er besessen, dass er gern getrunken hat und sich beim besten Willen nicht des Trunkes hat enthalten können. So ist mein guter Jacob bis nach Hannover gekommen und dort liegen geblieben. Mir hat er geschrieben, ich solle mit meinen Kindern nach Hannover kommen, denn von dort nimmt man die Post nach Hamburg. So habe ich denn sofort nacli Hildesheim an den jungen Abraham Kantor geschrieben, der früher einmal bei uns gedient hat, dass er sogleich zu mir nach Hameln kommen und mit mir nach Hamburg ziehen solle. So sind wir nach Hannover gezogen und haben unseren geschossenen Jacob da gefunden. Nun ging er sogleich nach dem Postboten, der sein geschworner Saufbruder war, und bestellte für uns zusammen die Post auf Freitag. Wir blieben Sabbat in Hannover. Es war ein elendes Wetter und ich hatte drei kleine Kinder bei mir. Den ganzen Sabbat über haben mein Schwager R. Lipmann und meine Schwägerin Jente mit dem Jacob geredet und ihn gebeten, er solle jawohl auf uns acht geben, und alle Vorsicht und Wachsamkeit gebraucheu und sich ja nicht betrinken, wie es seine Gewohnheit war. Er versprach es meinem Schwager und meiner Schwägerin mit Hand und Mund, sich nicht zu betrinken, nur nach Bedarf zu trinken. Aber wie er sein Wort gehalten hat, werdet ihr bald vernehmen. Sonntag früh sind wir von Hannover weggezogen, ich und meine Kinder — Gott beschütze sie! —, die Magd, ein Diener

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